Die Stiftungen im Universitätsbund
Mit der Errichtung einer Stiftung wollen Stifter(innen) auf Dauer ihren Willen,
auch über den Tod hinaus zum Wohle der Allgemeinheit zu wirken, verwirklichen.
Im Bereich der Wissenschaften erweisen sich Stiftungen als besonders innovationsfreudig,
aus ihnen kommt nicht selten Wagniskapital für Forschungsarbeiten, sie
ergänzen damit die staatliche Förderung.
Der
Universitätsbund beherbergt derzeit 21 rechtlich unselbständige
Stiftungen mit einem Stiftungskapital von über 5 Mio. Euro unter
seinem Dach. Der Universitätsbund ist damit
ein "Stifterverband im Kleinen". Es handelt sich hierbei überwiegend
um Preisstiftungen, eine Eigenbewerbung ist nicht möglich. Über
die Preisvergabe entscheiden die jeweiligen Stiftungsräte. Voraussetzung
für alle im Universitätsbund verankerten Stiftungen und ihrer
Statute ist deren Übereinstimmung mit der allgemeinen Zweckbestimmung
des Universitätsbundes, d.h. Förderung von Forschung und Lehre
an der Universität Tübingen. Die inhaltliche Ausgestaltung und
konkrete Zwecksetzung jeder einzelnen Stiftung bleibt selbstverständlich
völlig dem Stifter bzw. der Stifterin überlassen.
Publizität
erreichen einige dieser Tübinger Stiftung durch jährliche Veranstaltungen:
Die Verleihung des mit 50.000 Euro dotierten Dr. Leopold-Lucas-Preises
und der mit 3.000 Euro dotierten Nachwuchswissenschaftlerpreise ist einer
der Höhepunkte im akademischen Leben Tübingens. Ermöglicht
wird dies durch die Dr. Leopold-Lucas-Stiftung, der größten
Stiftung im Universitätsbund. Aus Erträgen der Attempto-Stiftung,
1983 vom Ehepaar Dorothea und Konrad Ernst gegründet, werden im Rahmen
der Mitgliederversammlung des Universitätsbundes die mit je 7.500
Euro dotierten Attempto-Preise verliehen. Mit ihnen werden Nachwuchswissenschaftler
aus dem Bereich der Neurobiologie ausgezeichnet, heute sind einige von
ihnen Koryphäen in Medizin und Biologie. Die Friedrich-Förster-Stiftung
ermöglicht der Fakultät für Physik, jedes Jahr ihre besten
Absolventen auszuzeichnen. Die Crafoord-Vorträge-Stiftung, deren
Kapital aus den Preismitteln des Paläontologen Adolf Seilacher besteht,
lädt jährlich zu wissenschaftlich vielbeachteten Vorträgen
ein. Diese Liste ließe sich fortsetzen.
Alle diese unselbständigen Stiftungen erfüllen im Grund die gleiche
Funktion wie selbständige:
Sie weisen einen autonomen Stiftungszweck auf, der unter dem Oberbegriff
"Förderung von Forschung und Lehre an den Universität Tübingen"
und damit der Zielsetzung des Universitätsbundes, subsummierbar sein
muß. Der Universitätsbund übernimmt für die als gemeinnützige
Körperschaft eine Treuhänderfunktion, so dass keine Kosten für
Verwaltung und Rechtsbeistand anfallen. Der Status einer selbständigen
Stiftung bietet sich in der Regel für größere Stiftungen
an, da sie die Verwaltungskosten selbst erwirtschaften müssen. Die
Stifter(innen) haben in beiden Fällen über die Mitwirkung im
Stiftungsrat die Möglichkeit, über die Verwendung der Erträge
mitzuentscheiden.
In den letzten 10 Jahren
wurden einige neue unselbständige Stiftungen beim Universitätsbund errichtet: Die Adolf-Theis-Stiftung wurde zu
Ehren des Altpräsidenten der Universität anläßlich
seiner Verabschiedung gegründet. Inzwischen ist das Stiftungskapital
so weit angewachsen, dass aus ihren Erträgen bereits mit der Förderung
von jungen Wissenschaftlern aus den Partneruniversitäten in Osteuropa,
Lateinamerika und Schwellenländern durch Studien- und Forschungsaufenthalten
in Tübingen begonnen werden. Die Stiftung des Ehepaares Dietrich
und Lore Plester (Professor Plester war bis 1988 Ärztlicher Direktor
der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik) wurde zwischenzeitlich zusätzlich
um Vermächtnisse erweitert. Aus ihr wird jährlich eine experimentelle
Dissertation aus dem Bereich der Medizinischen Fakultät gefördert
sowie ein Stipendium für besonders befähigte Mitarbeiter(innen)
aus der HNO-Klinik vergeben. Ebenfalls zu den neueren Stiftungen im Universitätsbund ist
die Stiftung des Verlegers Osswald Nussbaum aus Weil der Stadt, die sich
im Aufbau befindet und sich zum generellen Ziel gesetzt hat, Forschung,
Studium und Lehre an der Universität Tübingen zu fördern.
Die
Stiftung "Internationales Kolleg" will die vielfältigen
internationalen Beziehungen der Universität finanziell unterstützen.
Die Eduard-Spranger-Stiftung,
die von Frau Haide Hess ins Leben gerufen wurde, wird die Geisteswissenschaften
mit Schwerpunkt Philosophie und Geschichte unterstützen.
Zu
den neu gegründeten Stiftungen zählen u.a. die Stiftung "Junge
Universität" von Michael Seifert,die zu Ehren von Theodor
Eschenburg errichtete "Theodor Eschenburg-Stiftung" sowie die Klaus und Regina Großmann-Stiftung.
Fazit: Selbständig oder unselbständig - für die Erfüllung
des Stiftungszweckes spielt diese Frage keine entscheidende Rolle. Für
einen Stifter, der eine Stiftung aufbauen will, bietet jedoch die Betreuung
durch den Universitätsbund Sicherheit und Hilfe in allen rechtlichen
Fragen und Erleichterung beim Verwaltungsaufwand.
Stand:
30.11.10
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