Aufgabenblatt 'Minnesang des 13. Jahrhunderts'


Text: Ulrich von Winterstetten XXVIII 'Bî liebe lac ein ritter tougenlîche' (aus: Deutsche Liederdichter des 13. Jahrhunderts, hrsg. von Carl von Kraus, Band 1: Text; 2. Aufl. durchges. von Gisela Kornrumpf, Tübingen 1978, S. 542.


I Bî liebe lac ein ritter tougenlîche
die naht biz an den tac.
der minne pflac mit im diu minneclîche.
die minne er widerwac,
biz daz der wahter sanc 'ez tagt'.
daz von in beiden wart geklagt.
'ach herzeliebiu frouwe mîn',
so sprach der ritter wolgemuot
'ich wæne ez müeze ein scheiden sîn.'

II Ez wart niht lanc daz dâ mit nâhem smucke
ergie ein umbevanc
mit armen blanc und herzeclîchem drucke,
der liep gen liebe twanc.
diu frouwe sprach "mîn sender lîp
und ich vil siufteberndez wîp
bin iemer mê an fröiden frî
sol ich dir herre niemer mê
geligen alse nâhe bî,

III owê und ach!" der jâmerbæren scheiden
ir beider herze brach
daz dâ geschach von den gelieben beiden
daz schuof in ungemach
der ritter sprach 'gehabe dich wol!
dîn lîp ist manger tugende vol:
mîn herze dir belîbet hie.'
si sprach "sô füer min herze hin!"
der wehsel dâ mit kusse ergie.

Aufgaben: 1. Übersetzen Sie den Text ins Neuhochdeutsche
2. Beschreiben Sie den metrischen und inhaltlichen Aufbau des Liedes.
3. Ordnen Sie den Text in die Tradition des Tageliedes ein und skizzieren Sie die Bedeutung dieses Texttyps innerhalb des Minnesangs des 13. Jhs.