Johannes Kabatek (Tübingen)

Der Normenstreit in Galicien:

Versuch einer Erklärung

(erschienen in: Lusorama 18 (1992), S. 65–83)

1. Während sich die Sprachplanung in Katalonien in den letzten Jahren auf Ausbau und Statusplanung einer bereits kodifizierten Sprache konzentrieren konnte, ist in Galicien1 trotz der legal geklärten Situation die sprachplanerische Arbeit und der Prozeß der Normalisierung immer noch durch den Sreit um die Standardnorm behindert, in dem bekanntlich zwei wesentlich verschiedene Meinungsrichtungen aufeinanderprallen, auf der einen Seite die Reintegrationisten (oder Lusisten), die für die Eingliederung des Galicischen in den portugiesischen Sprachraum eintreten, und auf der anderen Seite die Autonomisten, deren Ziel die Anerkennung des Galicischen als eigenständige romanische Sprache neben dem Spanischen und dem Portugiesischen ist2. Neben diesen beiden Hauptgruppen gibt es noch verschiedene Untergruppen, vor allem innerhalb der Reintegrationisten. Diese haben teilweise eigene Normvorschläge gemacht, die sich vor allem in bezug auf den Ablauf des Prozesses der sogenannten Reintegration, weniger aber in bezug auf dessen Endziel unterscheiden.

Die Uneinigkeit über die galicische Standardnorm hat zu einer kontroversen, oft polemischen Auseinandersetzung geführt, in der es in erster Linie um orthographische, aber auch um morphologische und lexikalische Fragen und um verschiedene Einschätzungen von Geschichte und Gegenwart des Galicischen geht. Dieser Streit um die Norm spielt sich einerseits auf politischer Ebene, aber auch in der allgemeinen öffentlichen Diskussion und in den Medien ab und wirkt bis ins Erziehungswesen hinein, wo es vorkommen kann, daß ein Schüler in drei aufeinanderfolgenden Unterrichtsstunden in drei verschiedenen orthographischen Normen unterrichtet wird, wobei sich die Lehrer auf die Freiheit der Lehre berufen; eine Tatsache, die der Bemühung, die galicische Sprache zu retten nicht gerade dienlich sein kann und die zur Konsequenz hat, daß viele Schüler es vorziehen, sich der spanischen Sprache mit ihrer eindeutigen Norm zu bedienen, die ohnehin nach wie vor als die Sprache mit dem höheren Prestige angesehen wird.

Es stellt sich nun die berechtigte Frage, wie es zu so unterschiedlichen Positionen kommen konnte und ob diese aus linguistischer Sicht erklärbar sind; die Frage auch, welche sprachtheoretischen Vorstellungen den verschiedenen Meinungen zugrunde liegen.

 

 

2. Reintegrationismus

Der Reintegrationismus fußt auf der gemeinsamen galicisch-portugiesischen Sprachgeschichte bis zum Mittelalter und auf der Tatsache, daß bis heute - und trotz der politischen Trennung Galiciens und Portugals seit dem 12. Jahrhundert3- eine sehr enge Verwandtschaft zwischen dem Galicischen und dem Portugiesischen besteht, weshalb denn auch gemeinhin das Galicische in der Romanistik als Dialekt des Portugiesischen angesehen wurde, nach der dialektologischen Praxis, Dialekte jeweils dem ihnen am nächsten stehenden Sprachsystem zuzurechnen, das über eine Gemeinsprache verfügt4. Auf dialektaler Ebene ist bis heute keine Trennung zwischen Galicien und Portugal zu ziehen, die Dialekte zu beiden Seiten des Miño bilden ein Kontinuum5.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnete Manuel Murguía, eine der wichtigsten Persönlichkeiten des galicischen Rexurdimento, der sprachlich-literarischen Wiedergeburt, Autor eines monumentalen galicischen Geschichtswerks, Ehemann Rosalía de Castros und erster Präsident der Real Academia Gallega, die Ähnlichkeit mit dem Portugiesischen als Maßstab für die Reinheit des Galicischen6. Anfang des Jahrhunderts hatte Johan Viqueira die Übernahme der portugiesischen Orthographie für das Galicische gefordert7. Immer wieder galt das Portugiesische als Orientierungspunkt, führende Köpfe des galicischen Nationalismus hatten die Zugehörigkeit zum enormen portugiesisch-brasilianischen Sprachraum als Argument gegen galicische Minderwertigkeitsgefühle und das Gefühl des sprachlicher Isoliertheit aufgeführt.

Als Anfang der siebziger Jahre die Versuche zur Festschreibung eines galicischen Standards immer konkreter werden, gibt der bedeutende portugiesische Philologe M. Rodrigues Lapa den entscheidenden Anstoß zur Wiederbelebung der Reintegrationsdiskussion; als Argument gegen die offensichtlichen sprachlichen Unterschiede zwischen Portugiesisch und Galicisch stützt er sich dabei auf den, wie er sagt, fundamentalen Unterschied zwischen gesprochener und geschriebener Sprache:

  • não se escreve como se fala, porque a fala é um simples meio de comunicação, menos bem elaborado, ao passo que a língua literária é mais do que isso: é uma obra de arte que se vai polindo através dos tempos, deixando para trás o que parece inadequado, obsoleto ou sem beleza8
  • Für Lapa gibt es kein Problem der Kodifizierung des Galicischen, da die galicische Literatursprache bereits existiere:

  • o caso do galego é uma excepção felicíssima: essa língua literária de que ele carece está feita desde há oito séculos e chama-se hoje português. Os galegos têm a sorte rara de poderem fazer essa opção, coisa de que se não podem gabar nem bascos nem catalães.9
  • Lapas Ansichten basieren auf einer fundierten Kenntnis der galicisch-portugiesischen Literatur des Mittelalters und der galicischen Literatur seit dem Rexurdimento. Sie beziehen sich weniger auf einen Standard auch für die gesprochene Sprache als mehr auf die Schrift, insbesondere die Literatur. Seiner Meinung nach exisitiert das Galicische nur als rückständiger, ländlicher Dialekt, der sich vom Portugiesischen entfernt habe, "sendo o português literário actual a forma que teria o galego se não o tivessem desviado do caminho próprio."10

    In Galicien stößt die Initiative Lapas bei verschiedenen Sprach- und Literaturwissenschaftlern auf ein positiven Echo. 1979 schlägt X.M. Montero Santalla eine Übergangsnorm vor, die eine Schrittweise Integration in den portugiesischen Sprachraum ermöglichen sollte11. Die ersten offiziellen Normen der neuen galicischen Regierung anerkennen 1980 die Möglichkeit einer Annäherung an die portugiesische Norm. Um 1980 bekennt sich mit Ricardo Carballo Calero einer der renommiertesten galicischen Philologen zum Reintegrationismus12 und gründet mit Montero Santalla, Rodríguez Fernández und anderen die AGAL (Associaçom Galega da Língua). Sie ist bis heute die Hauptorganisation des Reintegrationismus, aus ihren Reihen gehen zahlreiche Publikationen zur galicischen Philologie hervor. Als 1982 die Normen von RAG und ILG (s.u.) erscheinen und offizialisiert werden, erarbeitet die Comissom lingüística der AGAL unter der Federführung von José Luís Rodríguez eine ausführliche Kritik, in der auf die Gefahr der Isolation Galiciens und auf Probleme der Normas (Hispanismen, Vulgarismen etc.) hingewiesen wird. Darin wird, wie dies bereits von Lapa getan wurde, erneut der Unterschied zwischen gesprochener und geschriebener Sprache betont13, und es werden auch alternative Kriterien angegeben, die ausführlich in einem Normierungswerk von 1985 formuliert sind14. Diese sind u.a.

    - Schreibung der "ganzen", unverkürzten Formen (para und nicht pra, ao und nicht ó

    - Erhalt lexikalischer Einheiten (comer o caldo und nicht come-lo caldo)

    - "Historische" Graphien (cantava und nicht cantaba)

    - Etymologische Graphien (Geologia und nicht Xeoloxía)

    Das Hauptkriterium ist stets die Nähe zum Portugiesischen. In allen Zweifelsfällen wird die Form bevorzugt, die der portugiesischen Form nähersteht.

    Innerhalb der AGAL gibt es eine Gruppe radikaler Integrationisten, die die Comissão para a integração da língua da Galiza no Acordo da Ortografia simplificada gebildet haben. Ihr Ziel ist die Anwendung des Novo acordo von Rio de Janeiro auch in Galicien sowie die Teilnahme an den anhaltenden potugiesisch-brasilianischen Orthographieverhandlungen15.

    3. Autonomismus

    Seit Beginn des 19. Jahrhunderts, insbesondere seit dem Rexurdimento erschienen vermehrt Schriften in galicischer Sprache; Grundlage für die Orthographie war dabei meist das Spanische, die Sprache, in der die galicischen Schriftsteller alphabetisiert worden waren, doch alterierte schon im 19. Jahrhundert das Kriterium der spontanen, unsystematischen Verschriftlichung, wie wir es z.B. bei Rosalía de Castro finden mit Bemühungen, eine einheitliche Schriftsprache zu schaffen16. Zu einer Einheitlichkeit kommt es auch nicht zu Anfang dieses Jahrhunderts, obwohl das Galicische bis zum Bürgerkrieg einen enormen Aufschwung erlebt, der mit der Zeit des Franquismus, für die Celso Emilio Ferreiros Gedichttitel Longa noite de pedra in Galicien zum Prädikat geworden ist, jäh abbrach17.

    1966 erscheint mit Carballo Caleros Grammatik die bis dato fundierteste Sprachbeschreibung des Galicischen, die gleichzeitig den Anspruch hat, die Galicische Gemeinsprache zu fixieren. Im gleichen Jahr kommt Constantino García González als Professor für Romanische Philologie an die Universität Santiago und initiiert dort erste dialektologische Studien auf der Basis moderner sprachgeographischer Techniken18.

     

    3.1. Das ILG (Instituto da lingua galega)

    Im Juli 1971 gründet Constantino García mit Unterstützung von Carballo Calero an der Universität Santiago das Instituto da lingua galega. Kurz zuvor wurde das Lehrbuch Galego I präsentiert, das für den Schulunterricht geschaffen wurde und implizit klare Normierungsvorstellungen enthält, die in gewissen Details von den knappen Orthographienormen der Akademie abweichen, die ein Jahr zuvor veröffentlicht worden waren19. Sie unterscheiden sich kaum von denen, die sich 1982 in den Normas (s.u.) wiederfinden würden und schreiben eine Sprache fest, die im wesentlichen auf dem gesprochenen Gebrauch basiert und die in orthographischer Hinsicht kaum vom Spanischen abweicht. Die Kriterien für die Orthographienorm werden im Vorwort definiert:

  • nos hemos guiado, en primer lugar, por la realidad fonética. La tradición literaria ha sido tenido también en cuenta. Y, finalmente, se ha atendido al criterio pedagógico. Hemos elaborado un método destinado al aprendizaje. Por este carácter de la obra, y en la medida de lo posible, hemos evitado dicotomías [...]20
  • Im Laufe der siebziger Jahre werden zahlreiche dialektologische Studien gemacht. Seit 1974 erscheint die inzwischen renommierte Zeitschrift Verba. Die dialektologischen Arbeiten führen immer deutlicher zu der Ansicht, daß Galicien sich durch die Jahrhunderte der Trennung kulturell und sprachlich so weit von Portugal entfernt habe (bzw. umgekehrt), daß eine Integration in den portugiesischen Sprachraum nicht mehr möglich sei. Außerdem wird aufgrund der existierenden, eigenen literarischen Tradition in galicischer Sprache das Galicische als eigene Literatursprache bezeichnet, der lediglich noch die letzten Schritte zur Normierung fehlten. 1976 und 1977 werden am ILG Seminare zur Vereinigung der Normen durchgeführt, an denen auch Reintegrationisten teilnehmen. Aus den Seminaren entstehen 1980 die Bases pra unificación das normas lingüísticas do galego. In ihrem Vorwort wird betont, es handle sich um eine Synthese aus den Normen der Akademie von 1970 (s.u.) und neueren Erkenntnissen, in denen auch die Meinung der Lusisten berücksichtigt werde21. Diese Normen werden noch als "propostas e non impostas" bezeichnet, ihre Entstehung habe im Bewußtsein ihres "valor fundamentalmente experimental" stattgefunden.

     

    3.2. Die RAG (Real Academia Galega)

    Die Real Academia Galega ist die traditionell renommierteste Institution des Galeguismus, sie wurde in Verbindung mit der Aufgabe der Normierung gegründet, was sie jedoch zu Anfang des Jahrhunderts nicht erreichte.22 Als gegen Ende der sechziger Jahre die Tendenz zur Verwendung des Galicischen auch in schriftlicher Form immer deutlicher wird, gibt die Akademie einige kurze Orthographie- und Akzentuierungsnormen heraus, denen vorgeworfen wird, sie schrieben nur die simple Schreibweise der Nachkriegszeit fest23, die, wie die uneinheitliche Schreibweise seit dem Rexurdimento allgemein, hauptsächlich auf der spanischen Orthographie basiert. Als Reaktion auf das Lehrbuch Galego I veröffentlicht die Akademie 1971 eine etwas ausführlichere Fassung der Normen von 1970, die wegen des hohen Prestiges der RAG als offiziell angesehen werden. Im Verlaufe der siebziger Jahre wird das ILG immer mehr zur kompetenten Institution in Sprachfragen, da dort im Gegensatz zur Akademie ausschließlich ausgebildete Linguisten arbeiten. Gewisse Rivalitäten zwischen RAG und ILG münden 1978 im Rücktritt des Akademiemitgliedes Carballo Calero vom Posten des Vizepräsidenten des ILG.

    Mit der Erarbeitung der ersten staatlich anerkannten Normen wird eine außerhalb der Akademie stehende Kommission unter dem Vorsitz Carballo Caleros beauftragt, mit nur einem Vertreter des ILG (Antón Santamarina).

    Um 1980 beginnt schließlich die konstruktive Zusammenarbeit zwischen RAG und ILG, als beide Institutionen gemeinsam die Normas ortográficas e morfolóxicas do idioma galego erarbeiten, die 1982 veröffentlicht werden24. Gleichzeitig mit Beginn der Zusammenarbeit beginnt Carballo Calero, den Akademiesitzungen fernzubleiben und wendet sich dem Reintegrationismus zu.

    Weniger als ein Jahr nach Redaktion der Normas, am 15. 6. 1983, wird die RAG im Gesetz zur sprachlichen Normalisierung (Lei de Normalización Lingüística) zur offiziellen Instanz für Sprachfragen erhoben In einer Zusatzerklärung zu dem Gesetz heißt es:

  • "Nas cuestións relativas á normativa, actualización e uso correcto da lingua galega, estimarase como criterio de autoridade o establecido pola Real Academia Galega."25
  • Die Normas basieren auf der galicischen Tradition seit dem 19. Jahrhundert, auf den verschiedenen Normierungsversuchen der siebziger Jahre und auf Erkenntnissen aus dialektologischen Untersuchungen. Sie stimmen in orthographischer Hinsicht weitgehend mit der spanischen Norm überein, indem sie auch Grapheme wie <b>/<v> und <z>/<ce,i> für jeweils ein Phonem /b/ und /q/ festschreiben. Auch das Graphem <h> wird, obwohl nicht in der Aussprache realisiert, festgeschrieben. Das palatale s wird als <x> dargestellt, das intervokalische velare h als <nh>. Bei den Kultismen geht die Norm meist einher mit der spanischen Norm, oft entspricht sie auch beiden Nachbarnormen. In morphologischer Hinsicht richten sich die Normas meist nach den am meisten verbreiteten Formen und nach Faktoren wie Prestige oder literarische Tradition. Folgende Graphik zeigt die Verbreitung einiger von den Normas festgeschriebenen Formen (dialektale Ausdehnung der normativen Formen ti, Endung -án von lat. -anu, Endung -óns von lat. -ones, Diphtong oit und Reduktion kwa>ka)26:

    Es fällt eine gewisse Präferenz für die Formen des Zentralgalicischen der bevölkerungsreichsten Region der Achse A Coruña - Santiago - Vigo auf.

    Nach Fernández Rei ist die galicische Gemeinsprache bereits weitgehend verbreitet und entspricht in großem Maße dem Zentralgalicischen:

  • hoxe existe xa un galego común utilizado pola maior parte dos usuarios, aínda que con discrepancias puntuais. Este galego común representa en boa medida os falares do galego central, especialmente na fonética, pero contén algunhas solucións morfolóxicas do galego occidental e algunha do oriental: trátase dun <supradialecto> que reproduce o territorio lingüístico do galego actual.27
  • Diese Feststellung deckt sich auch weitgehend mit dem, was Carballo Calero in bezug auf die Literatursprache annimmt:

  • Hoje manifesta-se claramente a constituiçom dumha koiné literária que se nos apresenta como um compromisso entre as duas formas mais estendidas do idioma: o galego "lucense" e o galego "iriense". A aportaçom do primeiro é mais bem fonética, a do segundo, mais bem morfológica. Proscrevem-se o sesseo e a gheada; aceitam-se a soluçom -am do sufixo latino -anu e o grupo -ns no plural. As razons que historicamente justificam estas soluçons som dumha parte a tradiçom, se calhar moderna, segundo a qual o sesseo, e sobretudo a gheada, eram fenómenos fonéticos fortemente vulgares e rurais, especialmente o segundo, que ademais se considera desnaturalizaçom ocasionanda polo adstrato ou superstrato castelam; de outra parte, o feito de que, ja nos nossos tempos, a morfologia do galego "iriense" adquiriu superior prestígio literário porque é a utilizada, em termos gerais, por umha soma tam importante de escritores como a representada por Rosalía de Castro, Marcial Valhadares, António López Ferreiro, Eduardo Pondal, Ramon Cabanilhas, Afonso Rodríguez Castelao, Luís Amado Carbalho, Manuel António Pérez Sánchez a muitos outros."28
  • Es ist schwer zu sagen, in wie weit diese Norm dem gehobenen Gebrauch der Stadt Santiago entspricht, dem traditionellen Zentrum der galicischen Intellektualität und urbanem Schmelztiegel verschiedener dialektaler Einflüsse, wo, im Gegensatz zu Vigo und A Coruña weniger die starken Einflüsse des spanischen Zentrums als vielmehr diejenigen der umliegenden Mundarten zu spüren sind. Es wäre zu untersuchen, wie sehr die Sprache Santiagos einerseits im dortigen Dialekt verwurzelt ist, andererseits doch in gewissen urbanen Zügen der gehobenen Aussprache davon abweicht. Hinweise auf die Bedeutung des Dialekts von Santiago gibt es schon im 19. Jahrhundert, als Prinz Louis Lucien Bonaparte in einem Brief bemerkt:

  • Il ne faut pas oublier que "compostellan" pour galicien est à peu près, ou peu s'en faut, comme "toscan" et "castillan" pour italien et spagnol.29
  • 4. Die zwei Wege der Normierung

    Betrachtet man die beiden Hauptpositionen zur Normierung des Galicischen (und es sind eigentlich nur zwei Positionen mit unterschiedlichen Schattierungen) als Außenstehender, so erscheinen zunächst beide kohärent und realisierbar. Es fällt auch auf, daß es keine Zwischenlösungen zwischen beiden geben kann, denn die normative Zielsetzung (Orientierung am Portugiesischen vs. Schaffung einer eigenen Gemeinsprache) sind grundsätzlich unvereinbar. Wesentlich verschieden sind auch die sprachtheoretischen Vorstellungen, auf denen diese Positionen beruhen, wobei auffällt, daß es im Grunde nichts anderes als zwei verschiedene Sichtweisen ein und derselben Sache sind. Während sich nämlich zum einen die Autonomisten auf die Genese einer Kultursprache aus der Varietät der gesprochenen Sprache und insbesondere auf die sprachplanerischen Aspekte der Standardisierung und der Normalisierung beziehen30,

    beziehen sich auf der anderen Seite die Lusisten auf den Unterschied der stilistisch differenzierten Hochsprache gegenüber der dialektalen Varietät der Volkssprache wie er bei der Existenz einer Kultursprache festzustellen ist; ein Unterschied, der sich insbesondere im Gegensatz von Schriftlichkeit und Mündlichkeit wie auch aus dem Vergleich der aus einem Dialekt entstandenen Hochsprache mit weiter von diesem Ausgangsdialekt entfernten Randdialekten entsteht:

    Wie gesagt. beide Positionen sind kohärent, beide Wege gangbar.

    Die Gefahr des reintegrationistischen Weges aber liegt, wie Antón Santamarina feststellt, darin, daß durch ihn eine diglossische Situation durch eine andere ersetzt werden könnte31, weil nämlich der Abstand des heutigen Galicisch gegenüber dem Portugiesischen - nicht nur aus Gründen des spanischen Einflusses, sondern auch aus Gründen eigener portugiesischer Entwicklungen nach der sprachlichen Trennung - so groß ist, daß eine Identifikation der galicischen Sprecher mit der portugiesischen Sprachgemeinschaft äußerst problematisch ist. Gewichtiger als rein linguistische Faktoren ist hierbei bestimmt die Frage der allgemeinen Identifikation der Galicier mit dem lusophonen Kulturraum, die sehr gering ist, während hingegen ein starkes Bewußtsein einer eigenen Identität, auch gegenüber der spanischen, existiert32. Darüber hinaus ist angesichts der gegenwärtigen politischen Zugehörigkeit Galiciens der Weg der Reintegration kaum vorstellbar33.

    Für den autonomistischen Weg ist zu sagen, daß er sowohl hinsichtlich der Orthographie als auch bei der Auswahl bestimmter Formen die gegenwärtige Realität der Situation des Galicischen besser berücksichtigt und eine Norm anbietet, die im Hinblick auf den Lernaufwand34 für die Galicier wesentlich leichter zu realisieren ist als die Norm der Reintegrationisten. Doch sollte auch erwähnt werden, daß der von den Reintegrationisten vielleicht überbetonte Unterschied zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, zwischen Hochsprache und Dialekten, von den Autonomisten wohl zu gering bewertet wird. Hier ist die Gefahr vor allem darin zu sehen, daß bei der Schaffung neuer Traditionen des Sprechens im Bereich der Hochsprache, Traditionen von Texttypen, die den Sprechern bislang nur in spanischer Sprache vertraut waren, aufgrund der engen genetischen Verwandtschaft großer Raum für Interferenzen aus dem Kastilischen sein wird und anstelle eigener galicischer Traditionen eine hybride Sprache entstehen könnte, die im Grunde auf nichts anderem als auf der Übertragung von Texten oder Diskursen aus dem Spanischen fußt.

    Bei allen theoretischen Möglichkeiten kann aber in der Praxis nur ein Weg gegangen werden. Die heutige Situation des Galicischen läßt ein langes hin und her in der Frage um die Norm nicht zu. Voraussetzung für das Überleben der galicischen Sprache ist vor allem Einigkeit und rasche Durchsetzung einer Norm, die als echte Alternative neben der spanischen Sprache bestehen können muß. Alles andere birgt die Gefahr eines sprachlichen Suizides in sich, an dem paradoxerweise gerade diejenigen, die sich am meisten für das Überleben des Galicischen einsetzen wegen ihrer Uneinigkeit wesentliche Verantwortung tragen.

     

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    Anmerkungen:

    1 Über die Schreibweise "galicisch" und "Galicien" gab es in letzter Zeit im deutschsprachigen Raum gewisse Unklarheiten. So findet sich immer wieder die Schreibweise "Galizien" und "galizisch" sowie neuerdings auch "galegisch". Die Form "galegisch", eine direkte Adaptation des Wortes "galego" erscheint zwar sinnvoll, entbehrt aber jedweder Tradition. "Galizisch" und "Galizien" entsprechen zwar am ehesten der deutschen Orthographie, schließen aber die Gefahr der Verwechslung mit der osteuropäischen Region Gallizien nördlich der Karpaten nicht aus. Wir verwenden "Galicien" und "galicisch", da diese vom Duden empfohlenen Graphien die gebräuchlichsten sind, da sie sich zumindest orthographisch von der anderen Form unterscheiden und da sie außerdem in der Sprachwissenschaft seit Adelung und Vater ("Gallicisch") Verwendung finden.

    2. BOCHMANN (1983: S. 8ff.) unterscheidet drei Bewegungen: Diferencialismo, Lusismo und Corriente pragmática. Es erscheint uns jedoch sinnvoller, nur zwei Hauptgruppen zu unterscheiden. Der Diferencialismo, extreme Ausrichtung einiger Schriftsteller, war immer minderheitlich und gilt heute praktisch als überholt. Das Ergebnis der Tendenz zur radikalen Differenzierung von den Nachbarsprachen sind häufig Übertreibungen oder falsche Analogien, sogenannte Hiperenxebrismos. Bochmann (ibd., S.9) zitiert folgende Beispiele: "zoa (zona) análogamente a lua, [...] respeito (respeto) an. a noite, leite etc.; seudogalleguismos, formaciones que no corresponden a reglas reales de evolución fonológica: encosta<encuesta (lat. inquaesita), an. a hueso/oso, adourar<adorar (lat. adorare), an. a la oposición oro/ouro (lat. aurem), cadeirádego<catedrático etc.; vulgarismos, formas mal aceptables en una lengua literaria: fertuna, celebro (para cerebro), ámbeto (ámbito), etc.; arcaísmos: tídoo (título), testemoia, espádoa (en lugar de hombreiro), etc.; lusismos, es decir, préstamos no siempre justificados del portugués: até (en lugar de hasta), estudar, achar (en lugar de atopar), xanela (en lugar de ventana etc." Die als lusismos bezeichneten Beispiele sind dies nur bedingt: até findet sich in mittelalterlichen galicischen Texten, während hasta, die einzige dialektal registrierte Form, eindeutig aus dem Spanischen übernommen wurde, achar ist durchaus verbreitet, auch in dieser Bedeutung, xanela ist gebräuchlich, bezeichnet aber eine andere Sache, nämlich eine Art Lichtschacht). Auch Constantino GARCIA (1985: S.98f.) zitiert einige Beispiele hyperkorrekter Formen, so montana, entrana in Analogie zu caña/cana; impacente, ambente, experencia in Analogie zu bien/ben; emocioado, cancioeiro, orgaísmo; orguloso, brilante in Analogie zu caballo/cabalo; paraleilos, esfeiras, enteirarse in Analogie zu verdadero/verdadeiro u.v.m.

    3 Nach der Eroberung Toledos im Jahre 1085 verheiratet Alfons VI. von Kastilien zum Dank für die Hilfe, die ihm fränkische Ritter geleistet haben und insbesondere als Tribut an den Abt von Cluny, seine Stieftochter Teresa mit Heinrich von Burgund und überläßt ihm die Verwaltung der Gebiete südlich des Miño (ab 1095 als Condado de Portugal). Der mutmaßliche Vetter Heinrichs, Raimund, heiratet die Tochter des Königs, Urraca, und herrscht mit ihr über Galicien. Nach dem Tode Alfons' VI. im Jahre 1109 wird der Sohn Urracas und Raimunds (+1107) König von León und Kastilien. Galicien orientiert sich zum Zentrum hin, während Heinrich in Portugal die Grundsteine zur Loslösung Portugals von León legt, die von seinem Sohn, Afonso Henriques (später Alfons I. von Portugal) nach mehreren Versuchen und durch geschickte Diplomatie (u.a. mit Rom) schließlich erreicht wird. 1131 wird das Kloster von Sta.Cruz in Coimbra gegründet; nach der Schlacht von Ourique (am 25.7.1140) wird Afonso Henriques König; Portugal wird weitgehend von León und Kastilien unabhängig. Wichtigstes Datum für die Entwicklung Portugals ist 1147, als Afonso Henriques die große und kulturell blühende mozarabische Stadt Lissabon erobert. Mit Lissabon bekommt Portugal ein neues urbanes Zentrum, das einer sprachlichen Orientierung weg vom Norden den Weg bereitet (cf. NETO 1952: S.382ff.).

    4 cf. COSERIU 1980: S.108f.; FERNANDEZ REI 1988: S.89ff.

    5 "desde o punto de vista estrictamente lingüístico, ás dúas marxes do Miño fálase o mesmo idioma" (FERNANDEZ REI 1990: S.17). Im phonetischen Bereich ist der einzige dialektale Zug, welcher der politischen Grenze entspricht, die Grenze zwischen der Existenz stimmhafter und stimmloser Sibilanten.

    6 Murguía hat diese Ansicht mehrfach geäußert: "el patrón para medir el grado de pureza del gallego es el de su mayor o menor semejanza con el portugués", zit. n. VARELA 1958: S. 66.

    7 VIQUEIRA: 1918/1930: S.12: "Teño unha razón fundamental contra a ortografía fonética: admitindo-a apartríamo-nos do mundo lingüístico inteiro. E isolarse é morrer! Ningunha língua escríbe-se fonéticamente. Sobre todo isolaríamo-nos do portugués. O galego, non sendo unha língua irmá do portugués senon unha forma do portugués (como o andaluz do castelán), ten-se que escribir pois como o portugués. Vivir no seu seo é vivir no mundo! e vivir sendo nós mesmos!" Obwohl er die portugiesische Norm vorschlägt, verwirklicht er dies nicht in seinen Schriften. Interessanterweise bemerkt er, man schreibe allgemein nach den Regeln der Akademie. Solche Regeln sind nicht bekannt, es mag sein, daß sich Viqueira auf die implizite Übereinkunft bezieht, nach der in der Zeitschrift Nós geschrieben wurde.

    8 LAPA 1973: S. 285. Zur Erwiderung von Lapas Ansichten von Seiten der Autonomisten siehe PIÑEIRO 1974: S.261-279 ("Carta a don Manuel Rodrigues Lapa").

    9 LAPA 1977: S. 39.

    10 LAPA 1977: S.28.

    11 Santallas Orthographie ist ein Versuch, trotz Berücksichtigung der besonderen Eigenschaften des Galicischen im graphischen Bereich eine größtmögliche Annäherung an das Portugiesische zu erreichen. Dabei nutzt er die Flexibilität der Orthographie, die eine größere Bandbreite möglicher Aussprachen zulassen kann. Durch diese Schrift werden seiner Ansicht nach zwar bestimmte morphologische Formen verändert, nicht aber andere Bereiche der Sprache: "non teria consecuéncias notábeis nen na fonética nen na sintaxe nen no léxico" MONTERO SANTALLA, 1979: S.4.

    12 Carballo Calero selbst hat verschiedene Phasen durchlebt. Mit seiner Grammatik von 1966 gehört er zu den Begründern der pragmatisch-autonomistischen Strömung. Darin fordert er noch die "fijación de un gallego común"(1966, S.11), spricht von der Schaffung eines "gallego culto"(S.13) und empfiehlt eine Synthese aus historischen, geographischen und sozialen Varianten (S.13): "En su estado actual, el gallego rústico tiene que ser depurado y completado para convertirse en lengua literaria."(S.32). Für die Orthographie stellt er fest:"Resulta [...] más adaptable para el gallego la ortografía castellana que la portuguesa." In späteren Auflagen streicht er diesen Passus. In der 7. Auflage (1979) erscheint in einer Fußnote folgende Bemerkung gegen die isolationistischen Tendenzen der gal. Literatur:"hay evidentemente una reacción reintegracionista, fruto principal de los estudios universitarios, que está restaurando la lengua literaria, restableciendo las formas auténticas"(7.Aufl. 1979, S.77).

    13 AGAL 1983: S.25f.

    14 AGAL 1985. Diese Normen finden auch die Unterstützung zahlreicher anderer Organisationen, so z.B. durch die Asociaçom sócio-pedagógica galega und durch die Associaçom Reintegracionista de Ordes, den Clube Reintegracionista do Salnês und die Sociedade Cultural <Marcial Valadares>

    15 Diese Strömung findet sich vor allem außerhalb der AGAL bei den Irmandades da Fala in Pontevedra, deren Vertreter als Gäste bei den Orthographieverhandlungen von Rio (1986) und Lissabon (1990) teilnahmen. Es ist dies wohl die einzige Instanz, die den Novo acordo, die Orthographie-vereinbarungen von Rio de Janeiro vom 12.5.1986, ratifiziert hat (cf. FONTENLA et alii 1986) und die Orthographie von 1990 seit diesem Jahr konsequent anwendet. Ihre Vertreter setzen bei der Erarbeitung des gemeinsamen Wortschatzes die Aufnahme zweier galicischer Wörter durch (brétema und lóstrego). Ihre Bewegung ist jedoch völlig minderheitlich und findet in Galicien nur wenig Resonanz.

    16 dazu ausführlich HERMIDA 1991 und kurz zusammengefasst LUYKEN 1991: S.239-244.

    17 cf. HERRMANN 1990 S.130ff.

    18 Seine ersten Schüler in Santiago, Antón Santamarina und María do Carmo Henríquez, sind heute führende Vertreter der gegensätzlichen Normierungspositionen, der erste als Direktor des ILG und letztere als Vorsitzende der AGAL.

    19 ILG 1971. Im Vorwort des Lehrbuches heißt es: "Adoptamos, en principio, las normas provisionales propuestas por la RAG." Dennoch unterscheiden sich die Kriterien des Buches in gewissen Details von denen der Akademie, z.B. in der graph. Darstellung der zweiten Artikelform: "La Academia registra esta asimilación cuando se trata del pronombre (teño que levalo), y no con el artículo (teño que levar o neno a escola). Nosotros utilizamos las grafías teño que levalo, teño que leva-lo neno á escola)", und in den Schreibweisen ó, pró, prá (Akademie: ao, pra o, pra a).

    20 ibd.

    21 "a tendencia lusista que nos últimos tempos defenderon algúns escritores e lingüístas." (INSTITUTO, 1977, S. 5).

    22 "para recoger en Galicia su verdadero léxico, dar a conocer su gramática y afirmar su existencia se fundó esta Academia. Porque el idioma de cada pueblo es el característico más puro y más poderoso de la nacionalidad."Boletín de la RAG, 6-7 (20.11.1906), S.5; vgl. auch S.126 u. S.128.1907 sollte ein Wettbewerb zur Schaffung einer Grammatik ausgeschrieben werden, was nicht realisiert wurde; das Wörterbuch der Akademie (Diccionario Gallego-Castellano) wurde von 1913-1928 nur von A-cativo fertigestellt. (cf. FERNANDEZ REI 1991a: S.32f.)

    23 VAZQUEZ CUESTA/MENDES DA LUZ 1971: S. 97.

    24 RAG/ILG (1982). Nach Ansicht der Lusisten handelt es sich um Normen des ILG, da dessen Mitglieder die Vertreter der Akademie, die größtenteils keine Linguisten sind, mit ihrer Kompetenz überstimmen konnten. Sie weisen auch darauf hin, daß die Normas in einer Sitzung beider Institutionen verabschiedet wurden, bei der insgesamt nur 20 Vertreter anwesend waren, wobei Akademie allein 31 Mitglieder hat. (AGAL 1983: S.15).

    25 XUNTA DE GALCIA 1989: S.20.

    26 Karte erarbeitet mit dem Material des ALGa (Atlas Lingüístico Galego), wie es FERNANDEZ REI 1990 veröffentlicht hat.

    27 FERNANDEZ REI 1991: S.30.

    28 CARBALLO CALERO 1981: S.61f. Der Text ist - bis auf die orthographischen Änderungen - einem Aufsatz von 1972 entnommen.

    29 zit. n. ALONSO MONTERO 1962: S.5.

    30 Nach ihrer Ansicht wird der Standard durch gezielte Sprachplanung in einem Prozeß der Auswahl einzelner Formen aus der Varietät geschaffen; die Nähe zur gesprochenen Sprache wird dabei als Grundprinzip gefordert: "[...] en todo idioma hai un nivel 'culto', unha variante estandarizada, que se fai sempre a partir da fala viva e nunca ás costas dela; e se nalgún caso primou o mentemento dunha tradición arcaica sobre a fala viva, máis tarde acabouse por toma-la fala viva como punto de partida" Enrique Monteagudo Romero u. Francisco Fernández Rei am 11.2.1982 in La voz de Galicia, zit. n. ESSER 1990: S.131.

    31 cf. SANTAMARINA FERNANDEZ s.a.: S.18.

    32 Bei einer Umfrage unter den Hausfrauen der Provinz Pontevedra im Jahre 1974 gaben 86% der Befragten Galicier an, sie fühlten sich "eher galicisch als spanisch"; mit Portugal gibt es praktisch keine Identifikation. Dieser Identifikationsgrad war nach Umfragen 1974 sogar höher als im Baskenland oder in Katalonien. (AYESTARAN/DE LA CUEVA 1974: S.35). Neuere Zahlen liegen für Galicien leider noch nicht vor; im Auftrage der Real Academia Galega wird derzeit eine umfassende soziolinguistische Studie angefertigt, deren Ergebnisse aber leider noch nicht vorliegen.

    33 cf. COSERIU (1987: S.136)

    34 Die autonomistische Norm ist insbesondere in orthographischer Hinsicht für die fast durchgehend spanisch alphabetisierten Galicier wesentlich leichter zu erlernen als die Norm der Lusisten. Der Lernaufwand für eine neue hochsprachliche Varietät ist ohnehin schon groß genug: "Die sprachlichen Ausbaudimensionen der Universalisierung und Komplektisierung [...] machen die hochsprachliche Varietät insbesondere aufgrund der sich im Zusammenhang mit der Verschriftlichung ergebenden Möglichkeiten zu einem Sprachsystem, welches gegenüber der Volkssprache einen unverhältnismäßig höheren Lernaufwand erfordert." (PETRUCK 1991: S.32f.) 1974 gaben 80 % der Hausfrauen von Pontevedra an, in spanischer Sprache alphabetisiert worden zu sein, nur ein Prozent hingegen auf Galicisch, der Rest waren Analphabeten (AYESTARAN/DE LA CUEVA 1974: S.51)