Ein Verwaltungszentrum im Limesgebiet ?
Ein Rabbath Moab/Areopolis in der
Provincia Raetia ?
Am 16. Januar 27 v.Chr.
verleiht der Senat C.Iulius C.f(ilius) Caesar
- so heißt C.Octavius, geb.63
v.Chr., seit der Adoption durch seinen Großonkel C.Iulius Caesar -
den Namen Augustus (der Erhabene) und überträgt ihm die Verwaltung der
noch nicht befriedeten Grenzprovinzen auf zunächst zehn Jahre. Augustus ordnet
noch im gleichen Jahr 27 v.Chr. den Provincialcensus (Steuerschätzung) in jeder
kaiserlichen Provinz an. Der Census kann je nach Bedürfnis -
meist nach festgelegtem Rhythmus
- in den einzelnen Provinzen
beliebig wiederholt werden. Die Interessen des Princeps (princeps civium =
erster Bürger) in den kaiserlichen Provinzen nehmen von Augustus selbst
ernannte Stellvertreter als Statthalter wahr (legati Augusti pro praetore). Sie
sind für die korrekte Durchführung des Census verantwortlich.
Auch in der kaiserlichen Provincia Raetia (Gebiet zwischen
Bodensee und Inn, vom Limes bis zu den Alpen) muß es
einen Provincialcensus (Steuerschätzung) mit Verwaltungszentren für die
Steuererhebung der Provincialen Raetiens gegeben haben. „Über diese
wichtige und für die ganze Verwaltung der Kaiserzeit maßgebende Einrichtung
haben wir außer der bekannten Stelle im Evangelium des Lucas (2,1.2) aus
älterer Zeit kein allgemein belehrendes Zeugnis irgend eines Schriftstellers“
(Joachim Marquard, Römische Staatsverwaltung Bd.II. 3.Aufl. 1957, 211 ff.).
Ein glücklicher Zufall
wollte es, daß ein von einem Hirtenjungen geschleuderter Stein in einer
Erdspalte am Steilrand der Wüste Iudaea westlich des Toten Meeres verschwand: -
Der Zugang zu einer bisher unbekannten Höhle in der Wüste Iudaea war entdeckt.
In dieser Höhle hatte sich die Jüdin Babatha während
des Bar-Kochbaraufstandes 132/135 n.Chr. auf der Flucht vor den Römern mit
ihrem Familienarchiv, darunter eine vollständig
erhaltene Steuererklärung in der kaiserlichen Provincia Arabia vom 2. Dezember
127 n.Chr. versteckt. Babatha hatte die 35 Papyri Ihres Familienarchives
in einem Lederbeutel, der nocheinmal in Sackleinen verschnürt war, in einer
Amphore deponiert. Nach der Fundlage in einem schmalen Spalt, der sorgfältig
mit Steinen abgedeckt war, zu schließen, handelt es sich um ein vollständiges
und seit der Versteckzeit unberührtes Archiv.
Die Papyri sind durch Tierfraß unterschiedlich stark beschädigt.
Zusammen mit den Papyri
wurden gefunden: ein Holzkästchen mit Schiebeboden, vier Holzschalen, eine
Eisensichel, ein Paar Sandalen (wohl von einer Frau), mehrere Schlüssel und
Messer. Unterhalb des Archivs lag eine eiserne Pfanne, ein Handspiegel in einer
Holzbox, zwei Bronzekrüge und sechs weitere Schriftstücke. Die 35 Papyri waren
nach Themengruppen gebündelt. Ein Papyrus ist eine Steuererklärung Babathas
vom 2. Dezember 127 n.Chr., die sie in dem für sie in der Provincia Arabia zuständigen
Steuerbüro in Rabbath Moab/Areopolis abzuliefern hatte.
Die griechisch
geschriebene Steuererklärung ist eine Doppelurkunde mit innerem und äußerem
Text. Eine Vorbemerkung bezeichnet das vorliegende Exemplar der Steuererklärung
als eine beglaubigte Abschrift des Originals.
Die Archaeologen N.Lewis,
Y.Yadin und J.C.Greenfield haben den Papyrusfund publiziert.
Babatha lebte zusammen
mit ihrem 2.Manne Judanes (oder Judas) im Dorfe Maoza in der Nähe von Zoara.
Das Städtchen Zoara lag wenige Kilometer südlich des
Toten Meeres im Aravah-Tal und gehörte zur Provincia Arabia, die Kaiser
Traian (98-117 n.Chr.) im Jahre 106 n.Chr. aus dem Nordteil des nabatäischen
Königreiches gebildet hatte. Provinzhauptstadt war
Petra.
In Maoza wohnte Babatha
„auf eigenem Grund und Boden“. Ihr Mann Judanes, Sohn des Elazar, kam
ursprünglich aus En-Gedi im Verwaltungsbezirk Jericho in der Provincia Iudaea.
Auch Judanes lebte in Maoza „auf eigenem Grund und Boden“. Das Ehepaar hatte
offentsichtlich Gütertrennung. Babatha bezeichnet Judanes in der
Steuererklärung nicht als ihren Mann, sondern als ihren Vormund. Nach römischem Recht bedurfte die Frau, auch wenn sie sui
iuris war, für alle Rechtsgeschäfte eines tutor,
im Griechischen Kyrios, hier jedoch Epitropos genannt.
Als der römische
Statthalter von Arabia, Legatus Augusti pro praetore Titus Annius Sextus
Florentinus im Jahre 127 n.Chr. im Auftrag des Kaisers Hadrian (117-138 n.Chr.)
einen Census anordnete, gingen Babatha und ihr Mann Judanes (wie 8 v.Chr. Josef
und Maria von Nazareth nach Bethlehem) 40 Kilometer von
Maoza nach Rabbath Moab, um ihre Steuererklärung in dem für sie
zuständigen Steuerbüro abzuliefern. Grundsteuern
mußten von den Besitzern stets persönlich vor dem zuständigen Beamten
deklariert werden.
Vorsteher des Steuerbüros
in Rabbath war der in der Urkunde genannte Praefectus
equitum Priscus. In der Basilika von
Rabbath, der Markt- und Gerichtshalle, wurde das Original der Urkunde zur
allgemeinen Einsichtnahme ausgelegt.
Babathas
steuerpflichtiges Eigentum, das Erbe ihres Vaters Simon, bestand aus vier Grundstücken mit Dattelpalmen, für die das obere
Aravah-Tal berühmt war. Babatha nennt in der Veranlagung die Anbaufläche jedes
Grundstückes mit Namen und zählt jeweils die Abgaben auf.
Für alle vier Grundstücke
muß sie eine Naturalsteuer bezahlen, die einmal
sogar die Hälfte der Ernte beträgt. Zur Ertragssteuer kommt für die vier
Grundstücke eine Geldsteuer in unterschiedlicher
Höhe, das Kranzgeld (Stephanikon, aurum coronarium).
Babatha nennt jedes
Grundstück mit Namen und fügt die genaue Lage hinzu, indem sie die beiden
Nachbargrundstücke angibt. So sah es das römische Censusrecht vor. Als
Grundstücksgrenze erscheinen zweimal das Tote Meer und eine Straße.
Im Praescript, zu Beginn der Urkunde, wird der regierende Kaiser Hadrian (117-138 n.Chr.) genannt, die beiden amtierenden Consuln Marcus Gavius Gallicanus und
Titus Atilius Rufus Titianus und das Tagesdatum
(vier Tage vor den Nonen des Dezember: der 2. Dezember 127 n.Chr.). Zur
römischen Datierung kommt die im griechischen Osten übliche Datierung nach dem
Macedonischen Kalender (im 22. Jahr der neuen Provincia Arabia, am 16. des
Monats Apellaios).
Der Kontext, Inhalt des Schriftstückes, beginnt mit der
Feststellung, daß vom kaiserlichen Statthalter Legatus
Augusti pro praetore Titus Annius Sextus Florentinus ein Census in der Provincia Arabia durchgeführt wird, den
Kaiser Hadrian angeordnet hat. Babatha erklärt in Ichform, was sie
besitzt.
Im Abschluß des Textes schwört Babatha bei der
Glücksgöttin des Kaisers, die Steuererklärung auf Treu und Glauben ausgefüllt
zu haben. Ihr Mann Iudanes unterschreibt als ihr
Vormund in aramäischer Sprache. Es unterschreibt
der Reiterpraefect Priscus als Verantwortlicher des Steuerbüros mit dem Tagesdatum (4.
Dezember). Babatha hatte die Steuererklärung zwei Tage zuvor, am
2.Dezember eingereicht. Die Bearbeitung der Steuerbehörde dauerte also zwei
Tage. Auf der Rückseite des Dokumentes folgen die Unterschriften
der fünf einheimischen Zeugen in nabatäischer
Sprache.
Die Gliederung der
Urkunde von Rabbath ist die gleiche wie die in der Censuserzählung des
Evangelisten Lucas. Die Vermutung liegt nahe, daß Lucas das Formular der in den
kaiserlichen Provinzen üblichen Steuererklärung kannte.
militärischer Mittelpunkt
am rätischen Limes
Um die Mitte des 2.
Jhds.n.Chr. wird die Ala II Flavia milliaria
zum Schutze der römischen Reichsgrenze (limes) von Heidenheim an der Brenz nach
Aalen an die Aal vorverlegt : Der rätische Limes mußte der Vorverlegung des
obergermanischen Limes vom Odenwald
– Neckar in die Linie Miltenberg
am Main bis Lorsch im Remstal angepaßt werden
- eine Anordnung sehr
wahrscheinlich von Gaius Popilius Carus Pedo (legatus Augusti pro praetore
Provinciae Germaniae superioris 152-155 n.Chr.) in der Provinzhauptstadt
Mainz/Mogontiacum (Géza Alföldy, Fdb.a.BW 8,1983,55 ff. – Karlheinz Dietz, RiB
1995, 122 ff.).
Voraussetzung für die
Ortswahl der Lagerplätze der Ala II Flavia milliaria
war sowohl in Heidenheim als auch in Aalen die unmitelbare
Nähe der Flüßchen Brenz und Aal: Es mußten täglich mehr als 1 000 Pferde der Ala II Flavia milliaria getränkt
werden. Ein Pferd benötigt am Tage ca 35 Liter Wasser.
Aufgabe der Ala II Flavia
milliaria in Aalen/Ala war außer dem Schutz der römischen Reichsgrenze (limes)
die Überwachung der aus der Provinz, von Augsburg – Günzburg – Heidenheim –
Aalen – Buch, zum Limes führenden, schon in vorrömischer Zeit genutzten S-N-Straßenroute, die im Bereich des Limestores bei
Dalkingen die römische Reichsgrenze passierte, um durch das Jagst- und
Taubertal das Maintal zu erreichen.
Caracalla – Feldzug 213 n.Chr.
Auf vermutlich
dieser - teils natürlichen - Straßenroute führte Kaiser Caracalla
(211-217 n.Chr.) von Rom kommend am 11. August 213 n.Chr. das römische
Expeditionsheer durch den rätischen Limes (per limitem Raetiae), durch das
Jagst- und Taubertal zum Main, wo er die 213 n.Chr. zum ersten Male an der
römischen Reichsgrenze aufgetauchten Alamannen in der Nähe des Mains (prope Moenum
amnem) besiegte.
Den Kern der
Angriffsarmee Caracallas bildeten Truppen Obergermaniens und Rätiens, u.a. die
Cohors I Breucorum Civium Romanorum Valeria Victrix bis torquata ob virtutem
appellata equitata aus Pfünz/Vetoniana sowie vermutlich Vexillationen
(Abteilungen) aller Legionen Europas. Die Legio II Traiana aus Nicopolis bei
Alexandria in Ägypten und Abteilungen der Legio II Adiutrix aus
Aquincum/Budapest in Unterpannonien erhielten damals Marschbefehl an den
rätischen Limes.
Einen Teil des Heeres befehligte
Gaius Octavius Appius Suetrius Sabinus als Comes Augusti nostri (Begleitger
unseres Kaisers) und praepositus vexillationum Germanicae expeditionis
(Kommandant der Detachements für den Feldzug gegen die Germanen. AE 1985,37).
Vor dem 6.Oktober 213
n.Chr. war Caracallas Germanenfeldzug bereits zu Ende. Denn an diesem Tage
kamen in Rom die Fratres Arvales (Priesterkollegium) zusammen, um für das Wohl
des Kaisers und für den Sieg über die Germanen Dankopfer darzubringen. Zu
diesem Zeitpunkt hatte Caracalla den Ehrentitel
Germanicus Maximus (überragender Sieger über
die Germanen) angenommen.
Nach Dio Cassius
(Hist.77,15.6) hat Caracalla den keltischen Heil- und Gesundheitsgott Apollo
Grannus um Heilung seiner Leiden angerufen. Es ist daher mit großer
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß Caracalla während seines Aufenthaltes in
Rätien den in weitem Umkreis als Wallfahrtsort bekannten Apollo-Grannus-Tempel in Faimingen/Phoebiana
besuchte, um von Apollo Grannus Linderung seiner Leiden zu erbitten. Dies
bestätigt der Neufund zweier Meilensteine in der Pfarrkirche St. Martin in
Gundelfingen (Lkr.Dillingen) aus deren Inschrift hervorgeht, daß Caracalla den
Ausbau einer zum Heiligtum Phoebiana führenden Straße Apollo Grannus im Jahre
212 n.Chr. zum Geschenk machte.
Auf der Rückreise nach
Rom besuchte Caracalla Baden Baden/Aquae, wo er die Wiederherstellung der
erneuerungsbedürftigen Thermen anordnete und den Ort zur Civitas Aurelia Aquensis erhob (Andreas Hensen, Zu
Caracallas Germanica Expeditio, in: FdbaBW 19/1,1994,219 ff.).
Zur Erinnerung an den
Feldzug des Jahres 213 n.Chr. wurde mit großer Wahrscheinlichkeit das Limestor
bei Dalkingen ausgebaut. Bei den Ausgrabungen 1973/74 gefundene zahlreichen
Bruchstücke einer überlebensgroßen, bronzenen Panzerstatue aus dem Anfang des
3. Jhds.n.Chr. sind vermutlich Überreste einer bronzenen Panzerstatue des
Kaiser Caracalla, die zur Erinnerung an seinen Sieg über die Alamannen 213
n.Chr. am Limestor aufgestellt worden war.
Bis jetzt fehlt der
Nachweis römischer Kastelle im Bereitstellungsraum der Angriffsarmee am
rätischen Limes, im Bereich des Limestores bei Dalkingen sowie auf der
Vormarschroute im freien Germanien bis zum Main. Die operierenden Verbände
mußten jedenfalls nach der Heeresvorschrift aus Sicherheitsgründen täglich
Marschlager bauen.
Die Lage des Kastells
Aalen ist strategisch zu vergleichen mit dem Lager der 19. Legion in
augusteischer Zeit in Küssaberg - Dangstetten am Hochrhein.
Das 1967 zufällig beim
Kiesabbau in einer Kiesgrube bei Küssaberg - Dangstetten von Gerhard Fingerlin
entdeckte und in den folgenden Jahren ausgegrabene Lager der 19. Legion hat
ausgezeichnete Straßenverbindungen nach Südwesten, Süden und Südosten.
Am Ausgang des
Kinzigtales gelegen kontrollierte das Legionslager Dangstetten die uralte
S-N-Verkehrsroute aus der Nordschweiz durch das Wutachtal ins Donau- und
Neckartal. Es ist die Route der Tabula Peutingeriana des 2. und 3. Jhds.n.Chr.,
die nach dem Räterfeldzug 15 v.Chr. zweifellos als Vormarschstraße nach
Germanien genutzt wurde. Aber mit Ausnahme bei Hüfingen/Brigobanne fehlen bis
jetzt nördlich Dangstetten Kastelle augusteischer Zeit (Günther Wieland,
Augusteisches Militär an der oberen Donau ? in: Germania 72,1994,205 ff).
Das gleiche gilt für die
bereits beschriebene S-N-Route von Augsburg/Augusta Vindelicum -
Heidenheim - Aalen
- Buch - Jagsttal -
Taubertal - ins Maintal.
Wie in Dangstetten waren
auch bei Augsburg/Oberhausen bereits 1911 und 1913 in einer Kiesgrube etwa 10
000 Bronze-, Eisengeräte, Waffen, Werkzeuge, Terra Sigillata, Münzen
augusteischer Zeit (von 8/5 v.Chr. bis um 15/16 n.Chr.) von Legionssoldaten und
Auxiliarsoldaten entdeckt worden. Die Funde sprechen für ein Zweilegionenlager
im Bereich von Wertach und Lech als Ausgangsbasis der augusteischen Offensive
von Süden nach Germanien. Aber auch nördlich Augsburg/Oberhausen fehlen bis
jetzt Kastelle augusteischer Zeit.
Das ist anders im
Vorfelde der Ausgangsbasen der Germanenfeldzüge am Rhein durch das Main- und
Lippetal, der Zweilegionenlager Mainz/Mogontiacum und Xanten/Vetera Castra,
gegenüber der Main- und Lippemündung. Erst 1985 entdeckte Otto Braasch vom
Flugzeug aus wieder ein augusteisches Legionslager am Main bei Marktbreit
(Lkr.Kitzingen,Ufr. Martin Pietsch, Augusteisches Legionslager bei Marktbreit,
in: RiB 1995, 475 ff.)
In Aalen erstreckte sich
das Lagerdorf (Auxiliarvicus) der Ala II Flavia
milliaria, südöstlich des Lagers schwerpunktmässig beiderseits der Aal -
der Hauptschlagader der römischen Siedlung. Bisher konnten 63 Fundstellen der
Siedlung von der Karl Mikelerstraße/Obere Bahnstraße bis zur
Schleifbrückenstraße/Bischof Fischerstraße registriert werden. Systematische
Grabungen fehlen.
Das Vermessen, die
Straßenführung, die Bebaungspläne für Häuser, Handwerksbetriebe, die
Wasserversorgung, die Anlage des Friedhofes (ist noch zu finden), die
öffentlichen Gebäude des Vicus wurden von dem Militär in den Principia
(Stabsgebäude) des Kastells angeordnet, überwacht und im zeitlichen Abstand wie
in den Canabae legionis (Lagervorstädten) überprüft.
Die Struktur der
Verwaltung war vermutlich ähnlich wie in den Canabae Legionis der Legionslager
organisiert. Es gab einen Gemeinderat (ordo decurionum), zwei jährlich zu
wählende Bürgermeister (magistri vici oder curatores vicanorum) mit
Polizeigewalt und Verfügung über Kultus und Bauwesen.
Das inschriftlich bezeugte Gründungsdatum des Steinkastells Aalen 163/164 n.Chr. ist zugleich
auch Gründungsdatum der Zivilsiedlung Ala Flavia an der Aal.
Nach Verlassen des
Kastells 260 n.Chr. fand der Genius Alae mit Mauerkrone, Schutzgeist der Ala II
Flavia milliaria, Aufnahme in der Zivilsiedlung an der Aal. Der Name des
Flüßchens Aal, in dem 100 Jahre lang (160-260 n.Chr.) die Soldaten ihre 1000
bis 2000 Pferde täglich tränkten, hat m.E. den Namen der Ala II Flavia bis auf
den heutigen Tag erhalten – und auf die heutige Stadt Aalen tradiert (Martin
Luik, Der Kastellvicus von Aalen, in: FaBW 19/1,1994,265 ff.)
Es ist höchst
wahrscheinlich, daß die römischen Siedler an der Aal - es
gibt vereinzelt Münzen und Keramikbruchstücke des 5. Jhds. -
den Alamanneneinfall 260 n.Chr. überlebten.
Die alten Götter hatten
versagt. Mit den orientalischen Kulten des Dolichenus, Mithras, der Magna Mater
Cybele, Attis war auch die neue Lehre des Sol Invictus
Christus aus Syrien nach Aalen gekommen. Ihm erbauen die Vicani Alienses nach der Katastrophe 260 n.Chr. einen
neuen Tempel im Bereich des während der
Kastellzeit heiligen Bezirkes vor der Praetorialseite des Kastells, dessen
Ruinen noch sichtbar gewesen sein müssen, als man sie als Steinbruch für den
christlichen Kirchenbau nutzte.
Ebenfalls muß in dem
Ruinengelände noch deutlich die aus dem Ausfallstor (porta praetoria)
herausführende W-O-Ausfallsstraße (via praetoria) sichtbar gewesen sein. Sie
bot den Eingeweihten in dem Ruinenfeld des Kastells und Lagerdorfes (vicus)
einen sicheren Baugrund für ihre Kirche in der gewünschten W-O-Richtung. Auf
dem befestigten Straßenkörper konnten sie die bisweilen tonnenschweren Steine
(wie z.B. die Inschriftbasis für eine Statue des Iupiter Dolichenus) auf den
Bauplatz transportieren. Mit diesen schweren Steinen konnten nur Handwerker
umgehen, die mit dem Steinbau vertraut waren.
Die St.Johanniskirche
liegt vor dem Ausfallstor (porta praetoria) mitten im Auxiliarvicus vor der
Praetorialseite (Fundpunkte 50-60. M.Luik, FdbBW 19,1.1994, 265 ff.), wo bei
der vermutlichen ehemaligen Mansio (Straßenstation) des Kastells die vom Rhein
durch das Remstal über Böbingen und von Augsburg/Augusta Vindelicum über
Heidenheim durch das Brenztal und von Regensburg/Castra Regina über
Oberdorf/Opia – Buch kommenden Fernstraßen zusammentrafen.
Der Eingang der
St.Johanniskirche, der ältesten Kirche Aalens, befindet sich
ungewöhnlicherweise im Süden - in Richtung zum Mittelpunkt der römischen
Siedlung an der Aal – und nicht, wie üblich, im Westen der Kirche.
St.Johanniskirche - Vicus - Kirche
Anläßlich der
Neuverlegung von Wasserleitungen für die Friedhofsbewässerung hat Rüdiger
Krause 1997 im Westen der St.Johanniskirche einen ebenfalls mit Spolien
vermauerten Anbau ausgegraben (AA 1997, 152 ff.). Es ist die Wohnung für den Geistlichen
mit Backofen, Herd, Brunnen und einem 2 x 3,80 m großen „Keller“ mit kleiner
Kellertreppe, dessen Wände sorgfältig verputzt sind.
Kastell –
Kirche in Tenedo/Zurzach
Die St. Johanniskirche in
Aalen ist zu vergleichen mit der frühchristlichen Kirche des 5. Jhds. n.Chr. in
dem von den Soldaten um 400 n.Chr. verlassenen spätrömichen Kastell auf dem
Kirchlibuck in Zurzach/Tenedo am Hochrhein.
Die gallisch-romanischen
Anwohnern des Kastells Zurzach/Tenedo haben als die Soldaten um 400 n.Chr. das
Kastell verlassen hatten, im Schutze der Kastellmauer eine Kirche gebaut, die
ebenfalls eine angebaute Wohnung für den Geistlichen und ein 1,1 m x 1,1 m großes, mit Ziegelmörtel ausgekleidetes
Baptisterium besaß (RiS 1988,578 Aabb.536. – Die Alamannen 1997,466
ff.).
Municipium –
Kirche Arae Flaviae/Rottweil
Ganz ähnlich ist in das
römische Bad 1 des Municipiums Arae Flaviae / Rottweil
die heutige Pelagiuskirche hineingebaut. Die Bewohner der römischen
Stadt, des Municipiums Arae Flaviae, hatten das römische Bad 1 um 75 n.Chr.
u.a. mit Ziegeln der von 70 – 102 n.Chr. in Vindonissa/Windisch stationierten
11.Legion erbaut. Seit Gründung des Municipiums Arae Flaviae gab es eine enge
Beziehung der Siedler, Veteranen, zu dem römischen Vindonissa und der Nordschweiz.
Eine Beziehung, wie sie die Bewohner des Vicus Aalen/Ala Flavia zu der
Provinzhauptstadt Augsburg/Augusta Vindelicum unterhielten.
Christen in
der Schweiz
Das Christentum hatte
sich im späten 2.Jhd.n.Chr. von Massilia/Marseille rhonetalaufwärts ausgebreitet.
In Lugdunum/Lyon kam es 177 n.Chr. zu einer Christenverfolgung mit
Hinrichtungen im Amphitheater beim Altar für Roma und Augustus.
Nach der Schlacht an der
Milvischen Brücke in Rom (28. Oktober 312 n.Chr.) – Konstantin der Große
(306-337 n.Chr.) läßt von seinen Soldaten vor der Schlacht das Christogramm an
ihren Fahnen anbringen – vereinbart Konstantin und Licinius (308-324 n.Chr.) im
Februar 313 n.Chr. in Mediolanum/Mailand Religionsfreiheit für Heiden und
Christen. Theodosius I (379-395 n.Chr.) verbietet am 24.Februar 391 n.Chr. in
einem Edikt heidnische Opfer und den Besuch heidnischer Tempel.
Der christliche Glaube
kam im 4.Jhd.n.Chr. über Genova/Genf, Forum
Claudii Valensium/Martigny, Sion/Sitten, Curia/Chur, Aventicum/Avenches in die
Schweiz und an den Rhein (Basilia/Basel, Castrum Rauracense/Kaiseraugst).
Forum
Claudii/Octodurus/Martigny ist 381 n.Chr. mit Bischof Theodul als Bischofsitz
belegt. Basel/Basilia war im 4.Jhd.n.Chr., Genf/Genova im 4./5.Jhd.n.Chr. und
Chur/Curia in der Mitte des 5.Jhds.n.Chr. Bischofsitz. In Windisch/Vindonissa
sind im 6.Jhd.n.Chr. die Bischöfe Bubulcus, Grammatius und Ursinus
nachgewiesen.
Aus der Schweiz, von
Vindonissa kam die christliche Lehre, über Zurzach/Tenedo,
Schleitheim/Iuliomagus auf der uralten Verkehrsroute vom Hochrhein durch das
Wutachtal in das Donautal und Neckartal nach Arae Flaviae /Rottweil. Es ist
sehr wahrscheinlich, daß die frühen Christen des Municipiums Arae Flaviae auch
nach 260 n.Chr. das römische Bad 1 weiterhin als Versammlungsort für ihre
Gottesdienste und das Wasser im römischen Bad für die Taufe benutzten. Den
ersten Kirchenbau der St.Pelagiuskirche gilt es noch zu ermitteln. Jedenfalls
existierte die Kirche in merowingischer Zeit, im 6.Jhd.n.Chr. (Archäologie in
Baden-Württemberg 1994,198 ff.)
Römische Verkehrszentrale
im Brenztal
Im Lagerdorf
(Auxiliarvicus) der Ala II Flavia milliaria (von ca. 90-ca.150 n. Chr.) und
dessen Nachfolgesiedlung (vicus) in Heidenheim an der Brenz sind durch die
Bautätigkeiten in den 80iger Jahren bemerkenswerte archäologische Befunde
bekannt geworden, die auf eine überregionale Bedeutung des Heidenheimer Vicus
schließen lassen.
Im Jahre 1980 waren bei
den umfangreichen Baumaßnahmen für ein neues Fernmeldeamt auf dem Gelände der
Deutschen Bundespost zwischen Theodor Heuss- und Friedrichstraße die Fundamente
eines Großbaues in der römischen Zivilsiedlung (vicus) entdeckt worden. Dieser
Großbau war zur Zeit der Stationierung der Ala II Flavia milliaria in
Heidenheim, seit ca 90 n.Chr., begonnen worden. Das Gebäude liegt vor dem
rechten Lagertor (porta principalis dextra) südlich der aus dem Kastell
herausführenden Lagerhauptstraße (via principalis), der Hauptvermessungsachse
(Cardo maximus) des Kastells und des Lagerdorfes (vicus).
Auf den
Eingang dieses parallel zum Cardo
maximus, W-O-orientierten Großbaues treffen die von
Augsburg/Augusta Vindelicum - Günzburg/Guntia und Faimingen/Phoebiana
kommenden Fernstraßen nach ihrer Vereinigung in der Brenzstraße.
Nördlich des Großbaues -
auf der anderen Straßenseite des Cardo maximus - wurde vermutlich eine Straßenstation (statio, mansio) ausgegraben -
vergleichbar mit der Straßenstation (statio, mansio) in Arae
Flaviae/Rottweil, an der nach Rottenburg/Sumelocenna führenden S-N-Straße des
Itinerars der Tabula Peutingeriana.
Der Großbau im Vicus, der
Nachfolgesiedlung des Lagerdorfes der Ala II Flavia milliaria hat m.E. große
Ähnlichkeit mit dem inschriftlich bezeugten Praetorium
(Verwaltungsbau) der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das Otto
Doppelfeld unter dem Kölner Rathaus ausgegraben hat [Gundolf Precht, Rheinische
Ausgrabungen Bd.14 (Köln 1973).- Hansgerd Hellenkemper RiNRW 1987,478 ff.)].
Das Kölner Praetorium ist
der Nachfolgebau der Principia (Stabsgebäude) des Zweilegionenlagers der 1. und
20.Legion apud Aram Ubiorum. Das Praetorium liegt wie der Großbau in Heidenheim
an der Hauptvermessungsachse (Cardo maximus, heutige ‚Hohe Straße’) des von
Tiberius nach der Schlacht im Wiehengebirge (nördlich Osnabrück) 9.n.Chr.
gegründeten Zweilegionenlagers, auf dessen nach 43 n.Chr. verwaisten Areal
Kaiser Claudius (41-54 n.Chr.) im Jahre 50 n.Chr. die Colonia Claudia Ara
Agrippinensium, die heutige Stadt Köln anlegen ließ.
Das Stabsgebäude (Principia) des ehemaligen
Zweilegionenlagers wird zum Praetorium, zum „Rathaus“ der römischen Stadt umfunktioniert. Noch heute
residiert der Kölner OB an der gleichen Stelle im Kölner Rathaus [Rudolf
Pörtner, Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit (Düsseldorf 1959). – Ph.Filtzinger,
Limesforschungen Bd.11, Novaesium V (Berlin 1972) 106 ff.; K.Jb. 17,1980,59
ff.; 22,1989,533 ff.]
Nach Umwandlung der
rheinischen Heeresbezirke in Provinzen (Provincia Germania superior, inferior)
in den 90er Jahren des 1.Jhds.n.Chr. wird Köln/Colonia Claudia Ara
Agrippinensium Provinzhauptstadt und das Praetorium
Residenz des Statthalters der Provinz Niedergermanien (legatus Augusti pro
praetore Provinciae Germaniae inferioris).
Der Heidenheimer Großbau
ist u.a. zu vergleichen mit den Forumsanlagen in Rottweil/Arae Flaviae,
Augst/Augusta Raurica, Windisch/Vindonissa, Martigny/Forum Claudii Vallensium,
Lahnau – Waldgirmes (Lahn-Dill-Kreis), Ladenburg/Lopodunum,
St.Aalbans/Verulamium, Silchester/Calleva Atrebatum in England u.a.
Der Heidenheimer Großbau
ist m.E. als Forumsanlage ein Hinweis dafür, daß der im Brenztal zentral
gelegene römische Vicus Heidenheim als
Nachfolgesiedlung des Auxiliarvicus der Ala II Flavia milliaria für das Gebiet
hinter dem Limes die gleiche zivile Bedeutung
hatte wie Kastell Aalen militärisch am Limes.
Für die gelegentlich
diskutierte Deutung des Heidenheimer Großbaues als Thermenanlage fehlen nach
Gundolf Precht, Direktor des Archaeologischen Parks und Regionalmuseums Xanten,
einem profunden Kenner römischer Architektur, die notwendigen baulichen
Begründungen (Briefliche Mitteilung vom 14.11.01).
Als die Ala II Flavia
milliaria um die Mitte des 2.Jhds.n.Chr. von Heidenheim nach Aalen an den Limes
vorverlegt wird, folgen den Soldaten ihre Angehörigen (Ehefrauen, Kinder,
Geschwister, Verwandte, Freunde) in den neuen Standort. Andere bleiben zurück
und gründen im Bereich des ehemaligen Lagerdorfes (Auxiliarvicus) an der Brenz
eine selbstständige Siedlung, die nach dem derzeitigen Stand der Forschung den
juristischen Status eines Vicus hatte.
Es versteht sich, daß
nach mehr als fünfzigjährigem Zusammenleben im Lagerdorf Heidenheim es auch
weiterhin Verbindungen und Beziehungen der Bewohner der römischen Siedlungen
Heidenheim und Aalen gab.
Wie die Nachbarprovinz
Obergermanien (Provincia Germania superior) war auch die Provincia Raetia
verwaltungsmässig in Civitates (Gaue) mit Hauptorten oder Vororten gegliedert.
Über das Land verstreut
gab es viele hundert Gutshöfe (villae rusticae). Staatsdomänen hatten als
Krongut des Kaisers eine eigene Verwaltung. Die Dörfer (vici), Lagerdörfer
(Auxiliarvici), Canabae legionis der Legio III Italica (Lagervorstadt in
Regensburg) und die stadtartigen Siedlungen hatten Selbstverwaltungen.
Kaiser Hadrian verlieh um
121 n.Chr. der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum das Stadtrecht als
Municipium Aelium Augustum - wie Vespasian 75 n.Chr. Arae
Flaviae/Rottweil zum Municipium Arae Flaviae erhob. In Augsburg resiedierte der
Statthalter bis in die 70er Jahre des 2.Jhds. als Procurator Augusti
(Angehöriger des Ritterstandes) und ab etwa 178/179 n.Chr. als Legatus Augusti
pro praetore senatorischen Ranges. Er war zugeich auch Befehlshaber der in
Regensburg/Castra Regina stationierten Legio III Italica und hatte den
Oberbefehl über alle in der Provincia Raetia stationierten militärischen
Einheiten.
Der Vicus Heidenheim
hatte - nach Analogien - ein eigenes Vermögen und eine
Selbstverwaltung. Die Rechtssprechung lag in Händen eines Zweierkollegiums, der
Duoviri iure dicundo. Sie waren die Bürgermeister und Richter.
Die eigentliche
Amtsgewalt hatten die gewählten 100 Mitglieder der Ratsversammlung, des
Gemeinderates (ordo decurionum). Alle fünf Jahre gab es Ergänzungen.
Aedilen waren für das
Polizeiwesen zuständig, Quaestoren überwachten die Finanzen. Spezielle Aufgaben
wurden den Praefecti übertragen. Alle Ämter waren Ehrenämter, von deren
Amtsinhabern die Bevölkerung eine große Spendefreudigkeit erwartete.
Die Verwaltung der Städte
und Gemeinden in den Rathäusern (Forumsanlagen) sorgten - so
auch in Heidenheim - für die Communalverwaltung: öffentliche
Ordnung, niedere Gerichtsbarkeit, Straßenwesen, städtische Finanzen etc. Die Rathäuser (Fora) waren Vollzugsorgane - die Finanzämter
- der Reichsverwaltung in Rom,
zuständig für den Steuereinzug und die Volkszählung (a rationibus).
Der Procurator in Augsburg
war der Leiter der kaiserlichen Provincialkasse, des Fiscus Raeticus. Er war
dem Beauftragten für die Reichsfinanzen in Rom (a rationibus) verantwortlich.
Er hatte von den Municipalbehörden die direkten Abgaben (tributa) einzutreiben: die Kopfsteuer (tributum capitis) und Grundsteuern
(tributum solis) und für deren fristgemässe Ablieferung zu sorgen (Rudolf
Fellmann,RiS 1988,63 ff. – Karlheinz Dietz, RiB 1995, 68 ff.).
Das zwischen Toten- und
Ottilienberg im Brenztal - der natürlichen S-N-Verbindung von der Donau
in das Jagsttal und in das N-Vorland der schwäbischen Alb -
gelegene römische Heidenheim ist zu vergleichen mit der
verkehrsgeographisch günstigen, zentralen Lage des Municipiums Arae
Flaviae/Rottweil am oberen Neckar
- mit der gleichen Forumsanlage
und Straßenstation (statio, mansio) wie in Heidenheim.
Im 2.Jhd.-n.Chr.
verlagerte sich der Schwerpunkt des römischen S-N und W-O-Verkehrs vom oberen
Neckar auf die Ostalb, wo das Verkehrsviereck Urspring -
Heidenheim - Faimingen
- Günzburg die in ähnlicher
Weise durch Straßen untereinander verbundenen Kastelle Waldmössingen -
Sulz - Geislingen - Rottweil ergänzte.
Im römischen
Heidenheim treffen fünf römische Straßen strahlenförmig zusammen, von:
1. Faimingen/Phoebiana
2. Augsburg/Augusta
Vindelicum - Günzburg/Guntia
3. Urspring/ad Lunam (?)
4. Oberdorf am Ipf/Opia
5. Aalen
Heidenheim -
ein Rabbath Moab/Areopolis in Raetien ?
Die Hauptverkehrsader des
Limesgebietes vom Rhein zur Donau führt von der Provinzhauptstadt
Mainz/Mogontiacum über Groß Gerau
- Gernsheim -
Ladenburg - Heidelberg
- Stettfeld -
Cannstatt - Urspring
- Augsburg über Heidenheim - Günzburg oder Heidenheim -
Faimingen/Phoebiana zur Provinzhauptstadt Augsburg/Augusta Vindelicum.
Die von Urspring/ad Lunam ? kommende römische Straße trifft auf das
linke Lagertor (porta principalis sinistra) des Kastells Heidenheim, wird zur
Lagerhauptstraße (via principalis), verläßt das Kastell durch das rechte
Lagertor (porta principalis dextra) und trifft am Eingang des Großbaues
gegenüber der vermutlichen Straßenstation (statio, mansio) auf die von Augsburg/Augusta Vindelicum
- Günzburg/Guntia
kommenden Straße nach deren Vereinigung in der Brenzstraße mit der von Faimingen/Phoebiana kommenden Straße.
Die Straßensituation ist zu
vergleichen mit der in Arae Flaviae/Rottweil, wo die von Straßburg/Argentorate
kommende Rhein-Donau-Straße nach Überqueren des Neckars ebenfalls auf das linke Lagertor (porta principalis sinistra)
des Rottweiler Kastells 3 trifft, in Verlängerung der Via principalis zum Cardo
maximus des Municipiums Arae Flaviae wird und die römische Stadt nördlich des
Gräberfeldes in Richtung Kastell Tuttlingen an der Donau verläßt.
Es wird immer
wahrscheinlicher, daß das römische Heidenheim mit dem Aquileia der Tabula
Peutingeriana zu identifizieren ist
- als Verwaltungszentrum
auf der Ostalb wie das Municipium Arae
Flaviae/Rottweil am oberen Neckar seit 75 n.Chr. -
oder wie Apamaea am Orontes und Bethlehem in der Provincia Syria/Iudaea
beim Census 8 v.Chr. und Rabbath Moab/Areopolis in der Provincia Arabia beim Census
127 n.Chr.
Mein verehrter Lehrer Kurt
Bittel hat uns immer wieder, wenn wir auf den zahlreichen Excursionen in
Heidenheim Station machten, von der Burg Hellenstein, vom Toten- und
Ottilienberg aus, von der Vogelperspektive die Lage des Heidenheimer Kastells und
den Verlauf der römischen Straßen im Stadtgebiet seiner geliebten Vaterstadt
bis ins Detail beschrieben und erklärt.
Jetz fehlt nur noch die
entsprechende Inschrift.
Für redaktionelle Hilfe
habe ich meinem Freunde Peter Rempis M.A., Stellv.Ltr.Abt. Elektronische
Dienstleistungen (EDL), Referent für Alte Geschichte, Altphilologie, Klassische
Archaeologie und Medienentwicklung/Kommunikation, Universitätsbibliothek
Tübingen sehr zu danken.
Neckartailfingen,
November 2001
Philipp Filtzinger