Rekonstruktion eines Reiters der
Ala II Flavia milliaria

In Aalen war die Ala II Flavia pia fidelis milliaria stationiert, ein 1 000 Mann starkes Kavallerieregiment. Diese Reitereinheiten bildeten die Elite der am Limes stationierten Hilfstruppen (auxilia).

Die prunkvolle Ausrüstung entspricht dem vornehmen Charakter der Einheit. Die Figurine zeigt einen Aalenreiter (eques alae) aus der Zeit um 70 n. Chr., als die Ala II Flavia im Rheinland aufgestellt wurde.

Über die Ausrüstung dieser Zeit sind wir verhältnismäßig gut informiert. Zahlreiche Reitergrabsteine zeigen uns das Erscheinungsbild dieser Soldaten. Hinzu kommen Bodenfunde von einzelnen Waffen und Ausrüstungsstücken. Trotzdem waren für die funktionsfähige Rekonstruktion vieler Teile intensive praktische Versuche erforderlich. Alle Ausrüstungsstücke wurden vielfach bei Gefechtsreitübungen und Langstreckenritten erprobt.


Beschreibung der Figurine im Limesmuseum Aalen

1. Cassis - Reiterhelm attischer Form, Typus Koblenz-Bubenheim. Der Helm besteht aus zwei aufeinandergenieteten Kalotten aus Eisen und Bronze. Die obere Kalotte ist lockenartig verziert. Auf den Wangenklappen: Castor, Pollux und Mars. Gewicht 2,7 kg.

2. Focale - Halstuch aus Wolle.

3. Lorica hamata - Panzerhemd mit verstärkter Schulterpartie. Es ist aus 30 000 Eisenringen gefertigt. Gewicht 9 kg.

4. Tunica - Kurzärmeliger Kittel aus Wolltuch.

5. Cingulum, spatha, vagina - Gürtel, an der rechten Seite ist an ihm das lange Reiterschwert (spatha) mit zweischneidiger Stahlklinge, Griff aus Holz und Elfenbein und lederbezogener, metallbeschlagener Holzscheide befestigt. Gewicht zusammen 2 kg.

6. Feminalia - Kniehosen aus Leder.

7. Caligae - Militärsandale mit genagelten Sohlen.

8. Calcar - Stachelsporen aus Eisen und Bronze.

9. Hasta - Stoßlanze mit eiserner Blattspitze und Lanzenschuh. Gewicht 2,5 kg.

10. Iacula, pharetra - Drei leichte Wurfspeere in einem Köcher.

11. Parma - Flacher Reiterschild ovaler Form. Er besteht aus Sperrholz, mit Leinen und Leder bezogen, am Rand Metallbeschläge, in der Mitte der Schildbuckel (umbo). Während des Marsches wird der Schild in einer ledernen Schutzhülle (tegimentum), am Sattel befestigt, getragen. Gewicht 7,2 kg.

12. Stratum oder ephippium - Kissensattel mit metallversteiften Hörnchen.

13. Tapetum - Satteldecke aus Filz, mit Wollfransen verziert.

14. Antilena - Brustriemen mit versilberten und nielloeingelegten Riemenverteilern und Zierscheiben (phalerae) und Dreiblattanhängern aus Bronze, Wollfransenbehang.

15. Postilena - Hinterriemen mit phalerae und Anhänger.

16. Kopfgeschirr mit phalerae und Anhänger.

17. Frenum - Hebelstangentrense aus Eisen.

18. Habena - Zügel.

19. Bronzezaum.

Die Größen von Roß und Reiter entsprechen dem Durchschnitt römischer Pferde und Kavalleristen. Die meisten Pferde hatten Widerristhöhen um 140 cm, die Männer maßen um 170 cm.

Rekonstruktion: Marcus Junkelmann, Ratzenhofen.
Figurine: Angela Paysan, Stuttgart.
Zeichnung: Nikolaus Grohmann, München.

Bild: Rekonstruierter Hörnchensattel. Er gibt dem ohne Steigbügel reitenden Kavalleristen festen Halt.

Bild: Grabstein des Titus Flavius Bassus von der Ala Noricorum, um 90 n. Chr., FO Köln, Röm.-Germ. Museum Köln.

Bild: Übungskampf mit Holzschwertern.

Bild: Reiter in Marschausrüstung. Mantel, Decke, Kochgeschirr und Verpflegung sind am Sattel festgebunden.

Bild: Figurine: Reiter in Kampfausrüstung. Neben ihm sein Bursche (calo) mit Reservespeeren und Feldzeichenträger (signifer) mit Drachenfahne und bemaltem Schild.


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