| Durchführung: Cornelie Schweizer & Angelika Schlarb |
Fragt man einen Raucher nach dem Grund für das Rauchen, so wird die Antwort in den
wenigsten Fällen wie von der Zigarettenindustrie suggeriert lauten:
"Ich rauche gern". Tatsächlich geben in Befragungen über 80 % der Raucher an,
nicht gern zu rauchen, aber nicht aufhören zu können. Durch die abnehmende
gesellschaftliche Akzeptanz des Rauchens und zunehmende Rauchverbote geraten in den
letzten Jahren viele Raucher unter Druck; nichtrauchende Freunde, Verwandte und Kollegen
drängen zum Aufhören, am Arbeitsplatz gibt es keine oder nur sehr ungemütliche Plätze
zum Rauchen
Raucher fühlen sich auf die Toilettte, zugige Balkone oder in Abstellräume verbannt -
und teilweise ist sogar der Urlaub kein reines Vergnügen mehr, denn wenn auf langen
Strecken nur noch Nichtraucherflüge zu bekommen sind, wird die Ferienreise zum
Entzugstrip.
Die meisten Raucher versuchen deshalb auch immer wieder, abstinent zu werden, häufig
jedoch erfolglos: Schwierig ist dabei meist nicht das Aufhören selbst, für einige Tage
nicht zu rauchen, klappt häufig. Früher oder später jedoch kommt eine stressige
Situation am Arbeitsplatz, ein Streit oder einfach nur ein guter Kumpel, der eine
Zigarette anbietet... und, einmal schwach geworden, ist der Weg bis zur gewohnten
Zigarettenanzahl am Tag nicht mehr weit. Nur drei bis 15% dieser Aufhörversuche im
Alleingang führen zur dauerhaften Abstinenz.
Wenn auch Sie solche gescheiterten Abstinenzversuche hinter sich haben und noch immer
"unfreiwillig" rauchen ist das kein Grund zur Verzweiflung, denn es gibt
verschiedene Methoden, das Rauchen mit therapeutischer Hilfe zu beenden, die im Folgenden
vorgestellt werden. Das wären Verhaltenstherapie, Akupunktur, Nikotinsubstitution,
Aversionstherapien und Hypnose.
1. Verhaltenstherapie
Eines der bekanntesten verhaltenstherapeutischen Raucherentwöhnungsprogramme ist die
5-Tage-Therapie von J. Mc Farland und E. Folkenberg. Der Ablauf der Kurse gestaltet sich
folgendermaßen: Die Kurse finden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen statt, jeder Abend
dauert, je nach Gruppengröße, zwischen 90 und 120 Minuten. Die Inhalte der einzelnen
Abende sind:
Einführungs- und Informationsabend mit freiwilliger Teilnahme.
Erster Abend: Es findet ein Gruppengespräch statt; außerdem werden psychologische
medizinische Informationen zum Thema Rauchen gegeben. Die persönliche Motivation, zu
rauchen oder nicht zu rauchen, wird bearbeitet und der Suggestivsatz: "Ich rauche
nicht mehr." wiederholt eingesetzt.
Zweiter Abend: Im Gruppengespräch berichten die Teilnehmer über den Tag und aufgetretene
Probleme, außerdem werden die schädlichen Folgen des Rauchens diskutiert.
Dritter Abend: Das Gruppengespräch entspricht dem am zweiten Abend, Themen sind außerdem
die Rückfallprophylaxe und wiederum die medizinischen Folgen des Rauchens.
Vierter Abend: Dieser entspricht weitgehend dem dritten Abend.
Fünfter Abend: Der Ablauf entspricht wieder den vorigen Abenden; die
Vorbereitung der Teilnehmer auf die Zeit nach Beendigung der Behandlung steht jedoch im
Vordergrund.
Nachtreffen: Die Teilnehmer berichten, wie es ihnen ergangen ist, auf
eventuell aufgetretene "Ausrutscher" wird ausführlich eingegangen.
Ebenfalls sehr bekannt ist das Freiburger Entwöhnungsprogramm
Bestandteile dieses Programms sind:
- Absetzen der Zigaretten an einem vereinbarten "Tag X"
- systematische therapeutische Vorbereitung
- Individualisierung der Behandlung durch Erarbeitung der für die einzelne Teilnehmerin
günstigsten Bewältigungsstrategien.
- Nachbetreuung unmittelbar nach dem Aufhören im Sinne einer
Rückfallprophylaxe. Um die regelmäßige Teilnahme bis zur Nachbesprechung zu
gewährleisten, wird ein Kontrakt geschlossen, welcher vorsieht, daß ein Geldbetrag erst
beim letzen Treffen an die Klienten ausbezahlt wird. Die Erfolgsquote dieser Programme
nach 12 Monaten liegt zwischen 50 % und 90%.
2. Akupunktur
In China wird die Akupunktur seit ca. 5000 Jahren zur Therapie verschiedener Erkrankungen
eingesetzt. Auch in Deutschland findet sie mehr und mehr Anklang, insbesondere auch bei
der hiesigen Schulmedizin. Bei der Akupunktur zur Raucherentwöhnung wird meist eine Nadel
am Ohr angebracht, die, einem Ohrstecker ähnlich, über längere Zeit getragen wird. Der
Erfolg dieser Behandlungsmethode ist allerdings eher mäßig; häufig wird das Rauchen
nach Entfernen des Steckers wieder angefangen; unter Umständen können auch negative
Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen oder Mißgestimmtheit auftreten. Erfolgreicher,
aber weniger praktikabel ist die Tiefenakupunktur, bei der der Patient über mehrere
Wochen täglich bei seinem Arzt oder Heilpraktiker akupunktiert wird.
3. Nikotinsubstitution
Nikotin wird dem Körper mit dem Zigarettenrauch zugeführt; wird das Rauchen beendet,
setzen bedingt durch den Nikotinmangel Entzugserscheinungen ein, deren wichtigste und für
den werdenden Nichtraucher unangenehmste die Gier nach der nächsten Zigarette ist. Wird
dem Körper nach dem Aufhören noch für einige Wochen über Nikotinpflaster oder
kaugummis Nikotin zugeführt, kann dies Entzugserscheinungen mildern und außerdem,
was für viele ein wichtiger Punkt sein dürfte, der gefürchteten Gewichtszunahme
vorbeugen.
Nikotinpflaster und kaugummis gibt es seit einigen Jahren rezeptfrei in Apotheken zu
kaufen; wegen möglichen Nebenwirkungen kann es jedoch sinnvoll sein, sich vom Hausarzt
beraten zu lassen. Empfehlenswerter als das Kauen von Nikotinkaugummis ist die Verwendung
von Pflastern, da nur diese gewährleisten, daß der Verhaltenskreislauf "Lust auf
Zigarette- sich oral etwas zuführen- Lust ist befriedigt", welcher gleichermaßen
beim Nikotinkaugummikauen und beim Rauchen selbst auftritt, unterbrochen wird.
Die Substitution von Nikotin zur Milderung der Entzugserscheinungen ist allerdings nur als
begleitende Maßnahme bei einer Raucherentwöhnungsbehandlung sinnvoll. Die langfristigen
Abstinenzquoten bei einer alleinigen Nikotinsubstitutionsbehandlung, das heißt ohne
Einbettung in ein Therapieprogramm, liegen lediglich bei 15%.
4. Aversionstherapie
Bei der Aversionstherapie werden die Klienten angewiesen, innerhalb kurzer Zeit so viele
Zigaretten schnell hintereinander zu rauchen, bis es ihnen schlecht wird. Nach mehreren
Durchgängen dieser Art vielen Rauchern die Lust auf die Zigarette. Die Methode ist
erfolgreich, allerdings, was leicht vorstellbar ist, eher unangenehm, und außerdem nur
für völlig gesunde Personen geeignet.
5. Hypnosetherapie
Mit dem Begriff Hypnose verbinden viele folgendes Bild: Ein Raum voll gespannter
Zuschauer, Ein Mann in schwarzer Glitzerkleidung im Rampenlicht und Menschen in Trance,
die mit starrem Blick scheinbar willenlos tun, was der "Meister" ihnen
aufgetragen hat. Die verbreitete Angst, Menschen in Trance seien dem Hypnotiseur willenlos
ausgeliefert, ist unbegründet; niemand tut im hypnotisiertem Zustand
etwas, was er nicht möchte. Bei Bühnenshows wissen die Teilnehmenden schon vorher genau,
was für seltsame und vielleicht peinliche Aufträge der Hypnotiseur ihnen geben wird und
gehen trotzdem- oder gerade deshalb- auf die Bühne. Die Showhypnose ist jedoch nur eine
Form von Hypnose... es gibt aber auch eine andere, die klinische Hypnose: ein Zustand, der
tiefe Entspannung und eine Stärkung des Willens ermöglicht- ohne Glitzer und Glimmer und
dennoch etwas geheimnis- und vor allem sehr wirkungsvoll- zum Beispiel, um mit dem Rauchen
aufzuhören. Studien haben gezeigt, daß zwischen 50% und 80% der mit Hypnose behandelten
Raucher abstinent bleiben. Diese hohe Wirksamkeit der Hypnosebehandlung beruht unter
anderem darauf, daß sie sich, im Gegensatz zu zahlreichen anderen Therapieverfahren,
nicht auf die bewußten Bemühungen der Klienten beschränkt, sondern durch die Nutzung
des Unbewußten zusätzliche Potentiale öffnet. Noch wirkungsvoller wird die
hypnotherapeutische Raucherentwöhnung, wenn Hypnoseelemente mit anderen Komponenten
kombiniert werden: Bei einer neuen Studie am Psychologischen Institut in Tübingen wurde
mit einer Kombinationsbehandlung, bestehend aus Hypnose, therapeutischen Gesprächen,
Nikotinpflaster, verhaltenstherapeutischen Elementen eine Abstinenzrate von 83% erreicht.
Eine zweite Gruppe von Klienten bekam ebenfalls therapeutische Gespräche, Nikotinpflaster
und verhaltenstherapeutische Tips und Tricks, aber keine Hypnose. Von diesen Klienten
waren bei der Nachbesprechung noch 33% rauchfrei.
Weitere Informationen bei:
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Cornelie Schweizer Diplom-Psychologin schweizer@web.de Tel.: 07071/ 252681 |
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Angelika Schlarb cand-Psych. Tel.: 07071/ 252681 Fax: 07071/68603 |
Autorinnen: Cornelie Schweizer & Angelika Schlarb 22. Januar 2000