Veränderungen der Persönlichkeitsstruktur als Folge von Nah-Todeserfahrungen

Durchführung: Iris Gresser

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Nah-Todeserfahrungen sind metaphysische Grenzerlebnisse von Menschen, die klinisch tot oder dem Tod sehr nahe waren, sich nach eigenen Aussagen außerkörperlich wahrgenommen und als vom Körper freies Bewußtsein eine andere Realität erlebt haben. Circa 4% - 5% der gesamten Bevölkerung und etwa 30% derjenigen Menschen, die sich in unmittelbarer Lebensgefahr befinden, erleben Nah-Todeserfahrungen. Allgemein wird zwischen positiven und negativen Nah-Todeserfahrungen unterschieden, wobei der Anteil negativer Nah-Todeserfahrungen auf ca. 5%-18% geschätzt wird.

Obwohl Essenz und Inhalt der Erfahrung von individueller Qualität ist, sind die meisten Forscher der Ansicht, daß solche Erlebnisse universell und invariant sind. Der Großteil der durchgeführten Studien belegt, daß das Auftreten von Nah-Todeserfahrungen weder einen Zusammenhang zu kulturellen Einflüssen noch zu bestimmten demographischen oder Persönlichkeitsvariablen hat. Vereinzelte Studien versuchen eine zu Nah-Todeserfahrungen neigende Persönlichkeit auszumachen. Da es sich jedoch bei allen Untersuchungen um retrospektive Studien handelt, konnte bisher nicht belegt werden, ob es sich dabei um prädisponierende Faktoren oder um Konsequenzen solcher Erfahrungen handelt.

Bisher entwickelte medizinische, psychologische und parapsychologische Modelle und Theorien sind aufgrund der Vielschichtigkeit solcher Erlebnisse nicht in der Lage, das Phänomen der Nah-Todeserfahrungen so vollständig zu veranschaulichen, daß alle dazugehörigen Komponente erklärt werden können. Die wissenschaftliche Diskussion, ob solche Phänomene ein Hinweis für ein Leben nach dem Tod oder ob sie lediglich Prozesse des absterbenden Gehirns sind, bleibt nach wie vor kontrovers.

Kritische Lebensereignisse und Grenzsituationen können auffällige Veränderungen der Persönlichkeit im Sinne einer Reorganisation hervorrufen. Die Konfrontation mit solchen Ereignissen setzt verstärkt reflexive und selbstreflexibe Prozesse in Gang. Diese Erlebnisse bedingen oft die Suche nach neuer selbstbezogener Information, um betroffene Selbstkonzeptbestandteile anzupassen. Auch können sie veränderte Handlungsmuster erfordern. Nach bisherigen Untersuchungen prägen Erfahrungen in Todesnähe diese das spätere Leben und haben teilweise einschneidende Auswirkungen auf die Entwicklung der betroffenen Personen. Bei ca. 5% der Betroffenen werden negative Auswirkungen (Depressionen, Angstzustände, verstärkte Angst vor dem Tod, usw.) festgestellt. Die positiven Auswirkungen betreffen Einstellungsänderungen in Lebensbereichen wie z.B. den materiellen Aspekt (geringere Bedeutsamkeit des Besitzes), den sozialen Aspekt (Höherbewertung der menschlichen Beziehungen und größere Verbundenheit mit der Natur) und die allgemeine Selbsteinschätzung (verstärkte Suche nach dem Lebenssinn, intensiveres Streben nach persönlicher Weiterentwicklung, gesteigerte Lebensfreude und verminderte Angst vor dem Tod).

Die geplante Arbeit setzt ihren Schwerpunkt auf die durch Nah-Todeserfahrungen verursachten Veränderungen der Persönlichkeitsstruktur. Da Nah-Todeserfahrungen an der Schwelle des Todes und in manchen Fällen sogar über diese Stufe hinaus geschehen, werden sie in diesem Zusammenhang, nicht wie üblicherweise als Sterbeerlebnisse, sondern phänomenologisch als Todeserlebnisse definiert. Diese Klassifizierung legt den Vergleich mit anderen Erfahrungen nahe, die ebenfalls im Zusammenhang mit dem Tod gemacht werden.

Das Forschungsvorhaben untersucht anhand einer empirischen Studie Personen, die im Rahmen von Reanimationsmaßnahmen eine Nah-Todeserfahrung erlebt haben (Testgruppe 1). Als Kontrollgruppen werden zum einen Personen untersucht, die dem Tod ebenfalls sehr nahe waren, im Rahmen von Reanimationsmaßnahmen jedoch keine Nah-Todeserfahrung gemacht haben (Kontrollgruppe 1), und zum anderen Personen, die Tod in der Form des Verlustes eines nahestehenden Angehörigen erlebt haben (Kontrollgruppe 2).

Ziel der Arbeit ist es, anhand des Vergleichs dieser drei Testgruppen herauszufinden, welche Rolle die direkte Berührung mit dem eigenen Tod in Form einer Nah-Todeserfahrung in der Entwicklung der Persönlichkeit spielt. Weiter soll im Rahmen dieser Studie geklärt werden, wie solche Veränderungen in wissenschaftlich anerkannte Persönlichkeitstheorien bzw. Persönlichkeitsmodelle eingestuft werden können.

Weitere Informationen bei:

Iris Gresser
Magistra Artium (M.A.)
iris.gresser@t-online.de
Tel.: 0711/4800547

 

 


Autorin: Iris Gresser 14. Februar 2000